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Forum für Klein- und Privatbahnen

Der HEG-Lokschuppen in Hoya
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Christian 

Moderator

Der HEG-Lokschuppen in Hoya

Eine Dokumentation zur Geschichte des Hoyaer Lokschuppens der Hoyaer Eisenbahngesellschaft


Die Entstehungsgeschichte des Lokschuppens

Die Stadt Hoya wurde im Jahre 1881 durch die Hoyaer Eisenbahngesellschaft (HEG) an das Eisenbahnnetz der Preußischen Staatsbahn angeschlossen. So entstand auf der östlichen Weserseite ein Bahnhofsgebäude sowie ein Lokomotivschuppen nebst Werkstatt.

Als im Jahre 1899 die Kleinbahn Hoya-Syke-Asendorf (HSA) gebaut wurde, versuchten die Betreiber der Kleinbahn bereits einen Anschluß an die Hoyaer Eisenbahngesellschaft auf der östlichen Weserseite über die bereits bestehende Straßenbrücke herzustellen. Alle Bemühungen scheiterten jedoch, so daß die Kleinbahn auf der westlichen Weserseite ihren eigenen Bahnhof baute.

Durch die Trennung der Bahnanlagen in Hoya mußten die Fahrgäste lange Fußwege in Kauf nehmen. Sämtliche Frachtgüter in und aus Richtung Eystrup mußten von Hand auf Karren umgeladen und über die Weser gebracht werden. Im Jahre 1907 beschloß die HSA diese geschäftshindernde Anbindung in Hoya zu verbessern und stellte erste Gelder für den Bau eines Gemeinschaftsbahnhofes bereit. Die HEG willigte erst 1908 ein unter der Bedingung, daß die finanziell schwächere HSA den Gemeinschaftsbahnhof einschließlich der Betriebsanlagen für die HEG sowie der Weserbrücke baute und plante.



Es entstand 1911 ein Gemeinschaftsbahnhof mit der HSA, die ein großes Interesse am Anschluß nach Eystrup hatte. Sie war es auch, die die neuen Anlagen der HEG einschließlich der Weserbrücke mit 610.000 Mark zum größten Teil finanzierte. Die HEG bewilligte für den Bau lediglich einen Zuschuß von 40.000 Mark. Die Unterhaltungskosten sollten ebenfalls zum größten Teil bei der HSA liegen, die HEG bezahlte lediglich eine geringe Benutzungsgebühr.

Die normalspurigen Gleisanlagen der HEG konnten nicht auf dem selben Höhenniveau der schmalspurigen Anlagen gebaut werden, da in diesem Falle die Rampe zur höher liegenden Weserbrücke zu steil geworden wäre. Sie lagen höher als die der HSA und wurden durch eine lange Rampe mit ihnen verbunden. So wurde auch der HEG-Lokschuppen auf einem Niveau von 2,55 m über dem umliegenden Gelände errichtet. Da der frisch aufgeschüttete Bahndamm für ein Gebäude nicht tragfähig war, mußte der Lokschuppen auf 2,55 m hohen Grundmauern auf dem alten Untergrund errichtet werden. Die Gruben entstanden auf einer aufwendigen Gewölbekonstruktion in 1,2 m Höhe. Der Bahndamm wurde erst nachträglich angeschüttet.
Aufgrund der beengten Platzverhältnisse auf dem Bahndamm wurde der Lokschuppen mit einer Drehscheibe an die Gleisanlagen angeschlossen. Zwar benötigten die von der HEG eingesetzten Dampftriebwagen eine Drehscheibe, jedoch entschloß sich die HEG 1912 den Lokomotivbetrieb mit zwei gebrauchten Dampfloks einzuführen. Im Jahre 1914 wurde eine dritte, diesmal neue, Dampflok beschafft. Die beiden Dampftriebwagen wurden 1914 an die Kleinbahn Celle-Wittingen verkauft.





Nutzungen und Umbauten des Gebäudes


Ursprüngliche Nutzung


Der Lokschuppen wurde zweigleisig ausgeführt mit Platz für maximal drei Lokomotiven oder zwei Triebwagen. Die Anordnung der Rauchabzüge läßt erkennen, daß ursprünglich ein Dampftriebwagen und eine Dampflok oder zwei Dampfloks gleichzeitig angeheizt werden konnten. Im hinteren Bereich lag durch eine Mauer abgetrennt die Schmiede, die auch Werkstatteinrichtungen erhielt. Durch ein Tor in der Trennwand konnten auf dem durchgeführten Gleis Achsen oder Kessel in die Schmiede gefahren werden. An der Seitenwand war ein Magazinraum und ein Aufenthaltsraum für das Lokpersonal eingebaut. Diese beiden Räume waren unterkellert. Ein kleiner Anbau an der Stirnseite beherbergte einen Wasserbehälter und den Brunnen. Die Lokomotiven mußten sich das Wasser sehr wahrscheinlich mit einem Pulsometer in den Wasserbehälter pumpen.

Umkleideräume oder Waschräume waren nicht vorhanden, die Arbeiter mußten sich zu Hause waschen und umziehen.

Zeichnung des HEG-Lokschuppen in Hoya 1912

Grundriss vom HEG-Lokschuppen in Hoya 1912


Christian 

Moderator

Re: Der HEG-Lokschuppen in Hoya

Umbauten und Erweiterungen


Die Wasserqualität in Hoya war sehr schlecht, so daß die HEG sich sehr bald entschloß, anderes Wasser als ihr Brunnenwasser einzusetzen. Die HSA besaß in Bruchhausen-Vilsen einen Brunnen und zumindest in Hoya eine Zisterne, die sie mit Wasser aus der Hache in Syke füllte. Hierfür hatte sie einen eigenen Wasserwagen. So entschloß sich die HEG ihr Wasser ebenfalls durch die HSA liefern zu lassen. Dafür entstand an der Gleisseite des Lokschuppens ein Anbau, der einen Wassertank beinhaltete. Der neue Tank war mit 20 m³ Inhalt größer als der alte für das Brunnenwasser, da er nur noch einmal am Tag gefüllt wurde.

Grundriss vom HEG-Lokschuppen in Hoya 1915



Zum Befüllen war neben den tiefer gelegenen Schmalspurgleisen eine Grube mit einem Rohranschluß, in die das Wasser aus dem Wasserwagen gelassen wurde. Die HSA hatte einen eigen Wasserwagen für das HEG-Wasser beschafft. Aus der Grube förderte eine Pumpe das Wasser durch eine frostsicher eingegrabene Rohrleitung in den Wasserbehälter. Dieser Behälter konnte von den Lokomotiven mit Heizdampf frostfrei gehalten werden. Aus dem Wasserbehälter gelangte das Wasser über einen einfachen Wasserkran in die Lokomotiven. Dieser Wasserkran befindet sich seit einigen Jahren am Lokschuppen Asendorf in Betrieb. Das Wasser wurde seit dem Bau der Harzwasserleitung im Jahr 1937 aus Bruchhausen-Vilsen geholt.


HEG-Wasserwagen mit eckigem Tank auf den HSA-Gleisen an der Abfüllstelle

Als nächste Erweiterung entstand vermutlich in den zwanziger Jahren der Werkstattanbau in Verlängerung des Anbaus für den Wasserbehälter. Zur Verbindung mit dem Lokschuppen wurde ein Fenster herausgenommen und dafür eine Tür eingebaut. Das ausgebaute Fenster fand in der Rückwand des Anbaues eine neue Verwendung. Ein weiterer Durchbruch mit nur 1,1 m Höhe entstand für den Schweißumformerwagen. Die Maschinen in der Werkstatt standen vorher vermutlich in der alten Werkstatt auf der östlichen Weserseite, die von der HEG noch eine gewisse Zeit weiter genutzt wurde. Aufgestellt waren zuletzt eine Drehbank, zwei Ständerbohrmaschinen und eine Stoßmaschine. Die ursprüngliche Ausrüstung ist nicht bekannt, sicher ist nur, daß die Drehbank und die Stoßmaschine von Anfang an in der Werkstatt standen. Von der Drehbank existieren Unterlagen bei der HSA, die auf das Jahr 1899 datiert sind. Da die HSA um 1920 eine neue Werkstatt errichtete, liegt die Vermutung nahe, daß die HSA sich eine neue Drehmaschine beschaffte und ihre erste der HEG verkaufte.


Foto: Bäumer

Die anderen Maschinen sind ebenfalls gebraucht von einem Händler aus Hannover erworben worden.
Alle Maschinen wurden über eine Transmissionsanlage von einem zentralen Motor angetrieben. Der Motor war als Schleifringläufer mit Anlasser ausgeführt und ermöglichte sanften Anlauf. Die einzeln Maschinen wurden über ausrückbare Riementriebe ein- oder ausgeschaltet, die Drehbank über einen Wechseltrieb zur Änderung der Drehrichtung. Später wurde ein zweiter Motor installiert und die Stoßmaschine sowie die kleine Ständerbohrmaschine mit einem eigenen Transmissionsantrieb versehen. Dabei entfiel der Antrieb für den Rückwärtslauf der Drehbank. Nachträglich wurde noch ein Schleifstein mit separatem Antrieb montiert.

Grundriss vom HEG-Lokschuppen in Hoya 1920



Als weitere Umbaumaßnahmen wurde die Trennwand zwischen Schmiede und Lokschuppen entfernt, möglicherweise im Zusammenhang mit der 1925 beschafften größeren Lok Nr. 4´´. Neben dem Lokschuppen entstand ein eigenes Gebäude für die Schmiede in Stahlfachwerkbauweise. Ebenfalls neben dem Lokschuppen wurde ein zusätzliches Gleis verlegt und ein hölzerner Wagenschuppen angebaut. Für den 1936 beschafften Dieseltriebwagen wurde ein separater Triebwagenschuppen aus Betonteilen an anderer Stelle errichtet.

Ende der dreißiger Jahre befand sich die HEG in guter wirtschaftlicher Lage. So waren noch etliche Erweiterungen geplant, wie der Einbau einer Achssenke und einer Achsdrehbank. Durch den Beginn des zweiten Weltkrieges waren jedoch alle Planungen hinfällig.

Grundriss vom HEG-Lokschuppen in Hoya 1937

Zeichnung vom HEG-Lokschuppen in Hoya 1937.pdf

Um 1950 wurde ein tiefergelegener Anbau mit Umkleideraum, Waschraum, Dusche und Abort errichtet. Eine Zentralheizung wurde ebenfalls eingebaut. Ab jetzt konnten die Eisenbahner gewaschen nach Hause fahren. Mit dem Anbau wurde der Eingang von der Rückseite an die gleisabgewandte Seite verlegt.

Grundriss vom HEG-Lokschuppen in Hoya 1955

Danach blieben die Anlagen bis ca. 1970 nahezu unverändert. Auch der 1963 eingeleitete Traktionswechsel auf Diesellokomotiven änderte hieran kaum etwas, lediglich die Schmiede wurde abgerissen. Um 1970 wurde auch der Wagenschuppen abgerissen.


Lokschuppen um 1970, Foto: Kempf

Um 1980 wurden die Gleise vor dem Lokschuppen und auf der Drehscheibe höhergelegt. Im Lokschuppen wurde das kürzere Gleis mit einem provisorischen Joch in den Bereich des ehemaligen Aufenthaltsraumes verlängert, um mehr Stellfläche für die Vielzahl an gebraucht erworbenen Lokomotiven zu schaffen.


Christian 

Moderator

Re: Der HEG-Lokschuppen in Hoya

Letzter Zustand


Der HEG-Lokschuppen in Hoya präsentiert sich 1998 in einem verwahrlosten Zustand. Die Werkstatt wurde wegen der offenen Riemenantriebe außer Betrieb gesetzt. Die Heizung wurde außer Betrieb genommen und das Wasser wurde abgestellt. Im Jahr 1997 gab ein Teil der Dachbalken nach, so daß ein Teil des Daches einstürzte. Aufgrund der schlechten Gleislage und mehrfacher Entgleisungen im Bereich der Drehscheibe ist praktisch nur noch ein Gleis nutzbar. Durch den schlechten Zustand der Drehscheibe ist das verbliebene Gleis ebenfalls nur mit Schwierigkeiten nutzbar. Das Mauerwerk weist große Risse auf, die auf Setzungen der Fundamente zurückzuführen sind.

Grundriss vom HEG-Lokschuppen in Hoya 1998

Die Werkstatt samt Einrichtung ist seit einiger Zeit dem Kleinbahnmuseum Bruchhausen-Vilsen übereignet. Nach der Translozierung soll die Werkstatt in Bruchhausen-Vilsen zugänglich werden. Ziel ist jedoch den gesamten Lokschuppen in Bruchhausen-Vilsen wieder aufzubauen.


Foto: Bäumer

Für die Verkehrsbetriebe Grafschaft Hoya (VGH), der Rechtsnachfolgerin der HEG und der HSA, ist die Trennung von moderner Buswerkstatt und alter Lokwerkstatt ungünstig. Weiterhin sind in den Lokschuppen mehrere hunderttausend D-Mark zu investieren, um ihn dauerhaft nutzen zu können. Daher war die Tendenz zu einem neuen Lokschuppen deutlich.








Foto: Bäumer


Foto: Bäumer


Foto: Kindermann




Zeittafel



1881 Bau und Eröffnung der Hoyaer Eisenbahngesellschaft (HEG)
1889 Erste Planungen für einen Gemeinschaftsbahnhof in Hoya
1899 Bau der Kleinbahn Hoya-Syke-Asendorf (HSA) mit eigenen Anlagen in Hoya
1907 Beschluß zum Umbau des Hoyaer Bahnhofs durch die HSA
1911 Baubeginn des Gemeinschaftsbahnhofs in Hoya
1911 Bau des HEG-Lokschuppens durch die HSA
1912 06. Oktober: Inbetriebnahme des Gemeinschaftsbahnhofs
um 1915 Anbau des neuen Wasserbehälters mit Befüllung durch die HSA
um 1920 Anbau der Werkstatt
um 1925 Abriß der Trennwand zur Schmiede
um 1925 Bau eines eigenen Gebäudes für die Schmiede, erstellt in Stahlfachwerk
um 1937 Zusammenlegung von Magazin und Lokführerstube zum neuen Sozialraum
um 1940 Anbau eines hölzernen Wagenschuppen
um 1950 Abriß des Aufenthaltsraumes im Lokschuppen
um 1950 Anbau der Sozialräume im Untergeschoß
um 1965 Abriß der Schmiede
um 1970 Abriß des Wagenschuppen
um 1975 Umbau der Einfahrten auf neues Lichtraumprofil, Einbau neuer Tore
1999 Abriß des Lokschuppens und der Drehscheibe
2000 Neubau einer Lokhalle an der Stelle des alten Lokschuppen
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Viele Grüße,

Christian


Christian 

Moderator

Re: Der HEG-Lokschuppen in Hoya

Für alle, die noch Fotos vom letzten Zustand kurz vor dem Abriß sehen wollen, habe ich hier einige Fotos zusammen gestellt: Fotos vom HEG-Lokschuppen in Hoya

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Viele Grüße,

Christian


Forscher 

Re: Der HEG-Lokschuppen in Hoya

Hallo Cristian
Ich bin sprachlos! Danke für die Informationen zum Lokschuppen. Ich möchte gern diese Informationen in den HEG Ordner einfügen, wenn du nichts dagegen hast. Für diejenigen die sich für unsere Historie interressieren ein Schatz! Danke!
......Naja andere sehen das leider anders...!
Gruß
Forscher


Jens1 
Re: Der HEG-Lokschuppen in Hoya

Bei den Innenansichten habe ich förmlich noch den Geruch des Schuppens und der Werkstatt in der Nase.

Vielen Dank Christian !!!


dieter01 

Moderator

Re: Der HEG-Lokschuppen in Hoya

Hallo Christian,

das ist wirklich super, was Du da zusammengetragen hast! Wenn ich dann noch den Betrag von Jen lese kann ich mir nur wünschen, dass in nicht allzuferner Zukunft der Lokschuppen bei uns entsteht.
Frage an die Wissenden: Gibt's dafür irgendwelche Anzeichen oder Entwicklungen - außer der Schauwand?

Ein interessierter Dieter


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Die Mallet muß wieder dampfen!


Forscher 

Re: Der HEG-Lokschuppen in Hoya

Na ob der Schuppen wirklich so aussehen wird, wie die Fotos zeigen?? Wenn man andere "historische" U Boot Bunkerbauten anschaut glaube ich das nicht. Sicher wäre es schön den Schuppen mit den originalen Maschinen so wieder herzustellen, aber das wird nicht so werden. Hier besteht bei einigen nicht mal der Ansatz zum musealen Denken um ein solches Projekt umzusetzen.
Gruss Forscher


ralf 
Re: Der HEG-Lokschuppen in Hoya

Hallo Cristian,
ich bin über die ausführliche Dokumentation absolut begeistert. Hab vielen Dank dafür. Meine Umsetzung ins Modell steht nun nichts mehr im Weg.

Gruß Ralf


david 
Re: Der HEG-Lokschuppen in Hoya

Hallo Christian,

nach über einem Jahrzehnt habe ich meine Bilder des Lokschuppens mal wieder ´rausgesucht und gescannt. Entstanden sind Sie damals bei einem gemeinsamen Fotoausflug kurz vor Abriss des Schuppens. Dein toller Bericht hat bei mir dazu geführt, den Hoyaer Bahnhof in der Zeit vor der Umspurung als Modell ins Auge zu fassen. Über alle Informationen bin ich natürlich dankbar

Herzliche Grüße aus Worpswede
David










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