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Forum für Klein- und Privatbahnen

Delmenhorst - Harpstedter Eisenbahn 1982 - 1. Teil
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08.06.08 10:10
harfe 

Delmenhorst - Harpstedter Eisenbahn 1982 - 1. Teil

Ein lauer Frühsommerabend, ich sitze auf dem Balkon und erhole mich von einer Kiefer-OP, die mich ein wenig darniedergestreckt hat und versuche mich ein wenig abzulenken – wie geht das besser, als mit ein wenig Schreiben von der „guten, alten Zeit“.

Nun also einmal ein Thema von meiner „Leib- und Magenbahn“ – der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn von früher, als sie noch eine „richtige“ Kleinbahn war.

Der geneigte Leser weiß, dass ich ja während meiner Schulzeit bei verschiedenen prvaten Eisenbahnen Praktika und Ferienjobs absolvierte, nun – bei der DHE war ich auch mal.
Als Mitglied bei den Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunden wollten wir natürlich auch im Eisenbahnbetriebsdienst tätig sein, dazu war eine Ausbildung als Rangierer und Zugbegleiter notwendig – wie sollte das anders gehen, als wenn man mal auf dem planmäßig verkehrenden Güterzug mitfuhr.
So machte ich das dann auch.

1982, im Anschluß an meine Tätigkeit bei der Farge-Vegesacker Eisenbahn sollten sich dann 2 Wochen Ausbildung im Rangierdienst bei der DHE anschließen.

Seinerzeit war es noch so, dass der Güterzug der DHE täglich zwischen Harpstedt und Delmenhorst Gbf und wieder zurück verkehrte, wobei das Gutaufkommen zwischen Harpstedt und Annenheide mehr als gering war – die Fahrt diente eigentlich nur der Loküberführung vom Bw in Harpstedt.
Ich machte mich also an einem Montag morgen mit dem PKW auf nach Harpstedt – um 06:30 h sollte es von Harpstedt aus losgehen, also war ich schon um 06:00 h da. Oberlokführer Johannes Sparkuhl (eine Seele von Mensch) sowie der Rangierer „Jan“ – von dem habe ich nie den richtigen Namen erfahren, der war auch nicht lange bei der DHE – erwarteten mich schon. Und pünktlich um 06.30 h ging es los von Harpstedt, Lz bis Annenheide, dort erfolgte dann die Anschlußbedienung: folgende Anschließer wurden damals noch recht regelmäßig bedient und erhielten Waggons im Eingang:
(zunächst die Anschließer auf dem Gleis der Bundesvermögensstelle – in Richtung Kaserne Adelheide)
Fa. Lüers – Tenside Chemie
Fa. Link – Delmenhorster Kronkorkenfabrik
Sped. Timmermann – Papier/Hygieneartikel im Eingang
Fa. Rowedder – landwirtschaftliche Geräte
Raiffeisengenossenschaft Adelheide (Gleis lag noch, ohne Bedeutung)
Bundeswehr Kaserne/Standort Adelheide; täglich Kohle im Eingang für das Heizwerk, dazu Fahrzeuge zur/von der Reparatur, allg. Bw-Gut

In Annenheide selbst waren folgende Firmen ansässig, die recht regelmäßig bedient wurden:
Klingele Wellpappenwerke (ab und an Papierrollen in Schiebewandwaggons)
Fa. Algostat bzw. Nachfolger (Anschluß lag damals schon brach)
Fa. Wollert, techn. Großhandel – kurzer „steiler“ Anschluß, wurde damals sehr euphorisch in Angriff genommen und hat trotzdem kaum Verkehr erlebt. Ich glaube ab 1985 lag der Anschluß schon wieder brach.

Nun denn, wir waren also in Annenheide angekommen und fuhren zunächst den Ast nach Adelheide hinauf. Es wurden leere Kessewaggons bei Lüers abgezogen und dann mit in die Kaserne genommen, dort wurde umlaufen und gleichzeitig auch noch ein paar leere Kohle-Fc-Waggons vom vergangenen Freitag mitgenommen.

Mit immerhin 5 leeren Waggons kamen wir dann noch Annenheide zurück, dort wurde auch noch 1 leerer Waggon aus dem Anschluß Klingele aufgenommen und mit 6 Waggons ging es dann in Richtung Delmenhorst Gbf.
Ab Delmenhorst Süd (damals noch nicht um- bzw. überbaut) wurden die Bü-Anlagen händisch eingeschaltet, auch musste noch die große, schwere Schrankenanlage über die Grüne Straße bedient werden.
Die Bremer Straße war technisch mit einer Blinklichtanlage gesichert, es folgte die Asternstraße – mit Schranken durch den Zugbegleiter zu sichern sowie die Hasberger Straße – ebenfalls mit einer Schrankenanlage.

Dann ging es den „Berg“ rauf in den Güterbahnhof. Leere Waggons wurden bezettelt und die Wagenliste an den Wagendienst der DB übergeben, gleichzeitig holte man sich eine Unterschrift des DB Wagendienstes, dass man auch die Waggons übergeben hat (das war wichtig für die Wagenmiete und den „Frachtausgleich“).
Hier in dem Gebäude des Wagendienstes lagen dann auch die Papiere für den Güterzug bereit, den wir nach Harpstedt bringen sollten:
3 x Fc-Waggons Kohle für die Kaserne Adelheide
1 x Kesselwaggon Oleum für Fa. Luers
1 x Hbis Papier für Fa. Timmermann
1 x K-Waggon leer für Bundeswehr Adelheide
1 x Kesselwaggon leer für Brennereigenossenschaft Harpstedt

Für die Unterwegsbahnhöfe war leider gar nichts da – über die Tragweite dieses geringen Aufkommens war ich mir damals noch gar nicht so bewusst – das kam erst später, als ich mich auch beruflich damit beschäftigte.

So, hier wollen wir mal den 1. Teil enden lassen, heute abend geht es dann weiter

08.06.08 16:23
schilling 

Re: Delmenhorst - Harpstedter Eisenbahn 1982 - 1. Teil

Hierzu passend habe ich bei mir noch die folgenden Bilder gefunden, die ich während meiner Rangierausbildung gemacht habe (Sept. 1982):


Sie zeigen einen DHE-Güterzug, gezogen von Lok 7 DHE am Überweg Delmenhorst, Asternstraße.

09.06.08 01:07
TSD 
Re: Boah, was ist das heute alles zugewachsen!!!

Vielen Dank für solche Bilder (wie selten) aus meiner Stadt. Hast Du noch mehr?

Gruß
Thorsten Schulz

09.06.08 18:06
schilling 

Re: Delmenhorst - Harpstedter Eisenbahn 1982 - 1. Teil

Hallo Thorsten,
ich habe nur noch einige wenige Bilder. Meine komplette Sammlung habe ich vor etlichen Jahren an den Verein DHEF abgegeben, weil sie da - meine ich - in besseren Händen ist.
Ich möchte hier ungern meine komplette Anschrift oder meine Email-Adresse veröffentlichen. Und die Bilder hier, im DEV-Forum zu zeigen, halte ich auch für wenig passend. Vielleicht aber bist du auch DHEF-Mitglied und wir können über diesen Weg Kontakt aufnehmen.
Gruß
Rüdiger

09.06.08 22:09
harfe 

DHE 1982 - 2. Teil

So, Leute – wir sind nun am 2. Teil meines kleinen Berichtes über die DHE 1982 angelangt.
Es wurde ja schon gefragt, mit welcher Lok wir denn die Leistung fuhren:
Seinerzeit standen insgesamt 3 Triebfahrzeuge für den Verkehr zur Verfügung:

Lok 6 (ex 273) Henschel, 360 PS, 3x, Bj 1956, aus Vorrat direkt an DHE (vorher Vorführlok bei Henschel)
Lok 7 , ex MHE, 400 PS, 3 x, Bj 1956, ehemals Midgard Nordenham
T 121, Bj 1940, 2 x 145 PS, 2x, ehemals Butjadinger Eisenbahn, bei DHE grundlegend umgebaut (Verstärkung des Rahmens, stärkere Zug- und Stoßvorrichtung, Einbau Voith-Diwabus-Getriebe, neue Deutz-Motoren aus dem NLEA Standard-Programm).
NB: der Triebwagen wurde bis zum Ankauf der Lok 7 recht regelmäßig bei Ausfall der Lok 6 auch im Güterverkehr eingesetzt, denn dafür wurde er ja aufwändig umgebaut. Unter anderem war es auch z.T. erforderlich, bei schweren Militärzügen von und nach Adelheide die Züge mit 2 Triebfahrzeugen zu bespannen (Kopfmachen in Annenheide).

So, aber nun zurück zu unserem Züglein im Eingang – ich wiederhole noch einmal kurz, was wir denn da in Delmenhorst von der DB an den Haken kriegten:
3 x Fc-Waggons Kohle für die Kaserne Adelheide
1 x Kesselwaggon Oleum für Fa. Luers
1 x Hbis Papier für Fa. Timmermann
1 x K-Waggon leer für Bundeswehr Adelheide
1 x Kesselwaggon leer für Brennereigenossenschaft Harpstedt

Der Zug war schon durch die DB anhand der Richtungs- und Leitzahlen gebildet worden, trotzdem musste in Annenheide noch ein wenig umrangiert werden, um den Besonderheiten der Anschließer Rechnung zu tragen:

- der Hbis für Timmermann wurde in Richtung Adelheide an die Spitze genommen (geschoben)
- hinter der Lok kam zunächst der K-Waggon für die Kaserne
- dann die Fc-Waggons für das Heizwerk der Kaserne
- dann der Kesselwaggon mit Oleum (hochprozentige Schwefelsäure) für Luers
- der leere Kesselwaggon für Harpstedt wurde in Annheide im Nebengleis stehen gelassen

So, mit dieser Fuhre ging es zunächst in Richtung Adelheide auf die Stichstrecke. Im Gewerbegebiet Brendelweg gab es ja, wie ich schon erwähnte, die 4 Anschließer. Der Hbis wurde zunächst in den Anschluß Timmermann gedrückt – der Anschluß war ja schon am Morgen von uns leergeräumt worden. Zunächst musste aber die Blinklichtanlage Brendelweg unwirksam geschaltet werden.
Dann, nach Bedienung Anschluß Timmermann, ging es wieder zurück bis zum Einschaltkontakt, Schlüssel des Unwirksamkeitstasters wieder ziehen und über den Bü Brendelweg – Unwirksamkeitstaster der Gegenrichtung schlüsseln und dann den Anschluß Luers bedienen. Unschön war bei diesem Anschluß, dass die Waggons produktgerecht gestellt werden mussten: Oleum musste immer ganz an das Ende des Agl, also die davorstehenden Waggons erst abziehen (aber schön aufpassen, dass keine Schläuche mehr dranbaumelten und alle Luken geschlossen waren!!!!), den neuen beladenen Waggon einstellen und die anderen beiden, teilentladenen, wieder neu zustellen.
Dann ging es in die Kaserne, vorher wurde die stark befahrene, mit Blinklicht gesicherte Adelheider Straße (ich denke, die heißt so – geht dann in die Harpstedter Straße über) an der Raiffeisengenossenschaft gequert und schon standen wir vor dem Kasernentor.
Dazu fällt mir immer folgende, lustige Begebenheit ein, über die ich mich mit einigen Kollegen auch heute noch herzhaft amüsieren kann:
Bei der Bundeswehr ist immer alles bis in’s Kleinste geregelt: Eintritt zu Kasernen erhält nur, wer sich vorher ausgewiesen hat und dessen Personalien überprüft wurden. Wer schon einmal eine (aktive) Bundeswehranlage betreten hat, kann dies bestätigen.
Nun, Adelheide war (und ist noch) kein kleines Areal, dort sind mehrere Einheiten zu Hause. Alles ist streng bewacht und eigentlich hermetisch abgeriegelt, nur ein Schlupfloch gibt es: das Tor in die große weite Welt der Eisenbahn über die DHE. Gesichert mit einem handelsüblichen Abus-Vorhängeschloß und der Schlüssel dazu ist, eigentlich für jeden, der es weiß, frei zugänglich auf der jeweiligen Betriebslok der DHE…. Also, wenn man mal der Bundeswehr was böses will, dann….
Aber wehe, man versucht, ohne Ausweis auf dem „normalen Weg“ Eintritt in die Gefilde der Barras-Genossen zu erlangen…

Nun, ich schweife wieder ab, nun endlich wurde das Tor durch uns geöffnet, der Zug fuhr in die Kaserne ein, wir schlossen das Tor natürlich hinter dem Zug wieder vorschriftsmäßig (damit auch kein Unbefugter eindringen konnte). Über diverse Plätze und Aufmarschstraßen ging es dann bis zum Ende des Areals, dem Heizwerk, dort wurden die Fc-Waggons abgestellt. Mit Spillanlage wurden diese entladegerecht gestellt und der Rangierer blieb dann auch gleich dort, weil das Entladen der Waggons mittlerweile Sache der Eisenbahn war. Der Rangierer wurde dann später, nach Beendigung der Entladung, durch die Güterabfertigung Harpstedt mit dem PKW in Adelheide abgeholt.
Oberlokführer Sparkuhl und ich stellten jetzt noch den verbliebenen K-Waggon an die Kopframpe, dort sollte ein Radfahrzeug (LKW) verladen werden und am folgenden Tag wieder abgeholt werden.
Dann ging es wieder zum Tor und hinaus in die freie Welt.

09.06.08 22:09
harfe 

Re: DHE 1982 - 2. Teil

... und hier geht es weiter:

In Annenheide nahmen wir dann den dort wartenden verbliebenen leeren, grünen Kesselwaggon auf, machten ausgiebig Frühstück und fuhren nach Harpstedt. Der leere Kessel wurde auf freier Strecke, kurz vor dem Bahnhof Harpstedt, unter den Verladestutzen der Brennereigenossenschaft abgestellt und mit Hemmschuhen gesichert (Handbremse wurde natürlich auch angelegt).
Nun, die Lok fuhr vor das Bw, der Lokführer machte seine Aufschreibungen, schmierte die Lok noch ab (das war wichtig) – ich half ihm dabei, soweit ich konnte, und wir hatten dann Feierabend.

Am nächsten Tag, einem Dienstag fuhr ich wieder früh morgens nach Harpstedt, dort wartete aber eine Überraschung auf mich:
Zuglok des heute verkehrenden Güterzuges sollte der Triebwagen sein – dem Oberlokführer war es einfach zu heiß auf der Diesellok (das war es aber auch – es war einer dieser schönen Junitage, wo die Sonne erbarmungslos über die norddeutsche Tiefebene brannte). Außerdem wurde die Lok 7 von den „alten“ Lokführern nicht gerne gefahren – sie war laut, zog nicht richtig und in Richtung Harpstedt saß man nicht „richtig“ vor den Armaturen und Bedienelementen…. Die Lokführer alter Art bei den Kleinbahnen waren aber auch schon immer was besonderes.
Nun gut, mir war es egal – mit dem Triebwagen fuhr ich schon immer gerne, vor allen Dingen weil „Hannes“ Sparkuhl mir ab und an erlaubte, auch selbst den Triebwagen zu fahren.
Nicht bedacht hatte ich jedoch, dass wir jetzt mit dem Triebwagen einen Güterzug zu fahren hatten und da machten sich dann später doch beim Auf- und Abspringen die hohen Türtrittstufen bemerkbar sowie die ungünstig angebrachten Haltestangen… Und die Lokführer der DHE fuhren eigentlich immer recht rasant – Abspringen bei 15 km/h war nicht unüblich!

Zunächst galt es den nun beladenen Kesselwaggon von der Brennereigenossenschaft abzuziehen in den Bahnhof, dort musste er umlaufen werden, mit Schlußscheibe versehen werden (wir waren ja eine ordentliche Eisenbahn) und dann ging es nach Annenheide. Zunächst in die Kaserne, denn dort sollte ja der LKW auf dem K-Waggon abgeholt werden sowie die 3 leeren Fc-Waggons.
Von den anderen Anschließern war nichts abzuholen.


Nun ist es doch wieder so spät geworden – aber wenn man mal in’s Schreiben kommt. Ich dachte, ich könnte das ganze Thema in 2 Abschnitten darstellen, nun muß ich wohl noch zum Ende der Woche einen 3. Teil schreiben.
Da bleibt mir wohl nichts übrig 

13.06.08 22:22
harfe 

DHE 1982 - 3. Teil

und davon hier die 1. Portion:

Und weiter geht es mit den Erlebnissen von einer norddeutschen Kleinbahn. Wir waren ja nun mit dem Triebwagen T 121 auf Güterzugfahrt von Harpstedt nach Delmenhorst.
Vielleicht sollte ich einmal das „Innenleben“ des Triebwagens beschreiben?
Nun, er hat sich – und das bis heute – eigentlich ganz gut gehalten: 46 Sitzplätze auf ergonomisch geformten Holzbänken, diese sind mit rotem Kunstleder bezogen;
2 Einstiegsräume mit den Führerpulten, 1 Einstiegsraum mit „Schwerkraft“-Toilette, der andere mit Aufnahmevorrichtungen für Fahrräder (mittlerweile ist an dieser Seite eine Theke eingebaut worden).
Über die kohlebefeuerte Warmwasserheizung habe ich ja schon einmal früher berichtet (diese ist mittlerweile stillgelegt und die Beheizung des Warmwasserkreislaufes hat eine Webasto-Anlage übernommen).
Die Führerpulte waren mit einer Jalousi verschließbar, an den Türen waren für die Rangiermanöver Zusatzbremsventile und Sifa-Schalter angebracht worden.

Also insgesamt: Komfort vom Feinsten – im Stile der 40er Jahre!

Der Triebwagen erreicht (noch immer) eine Geschwindigkeit von 62,7 km/h (mich interessiert noch immer, wer diese „krumme“ Hg errechnet hat) mit seinen 2 Deutz Motoren, die über ein Diwabus-Getriebe jeweils auf die nächste Achse wirken. Es ist eine Umschaltmöglichkeit von Rangier- auf Streckengang gegeben (V/max im Rangiergang 30 km/h).
Durch den langen Achsstand und die Verstärkung des Rahmens und der Federung nahm der Triebwagen jedoch jeden Schienenstoß mit, das hat sich erst nach der Sanierung der DHE-Strecke in den 90er Jahren geändert. Seitdem sind die Gleise dort lückenlos verschweißt und überwiegend auf Stahlschwellen, jedoch durchgängig in Schotter gebettet.

Habe ich eigentlich schon was zu den Bahnhöfen an der Strecke gesagt oder geschrieben? Ich glaube, nein – also, wohlan denn:
Von Harpstedt nach Delmenhorst gab und gibt es folgende Bahnhöfe und Haltestellen:

Betriebsstelle Nebengleise: heutiger Zustand:

Dünsen 1 Ausweich-/Ladegleis entfernt
Gr. Ippener 1 Ausweich-/Ladegleis entfernt
Kirchseelte 1 Ausweich-/Ladegleis gekürzt, Weiche Rich-
tung Delmenhorst entf.
Heiligenrode 1 Ausweich-/Ladegleis 1 Ausweich- und ein Ab-
stell-/Ladegleis
Gr. Mackenstedt 2 Ausweich-/Ladegleise 1 Ausweichgleis entfernt
Stelle keine keine
Annenheide 2 Ausweich-/Ladegleise, 2 Ausweis-/Ladegleise,,
Fa. Klingele 2 x Agl Fa. Klingele 1 x Agl
Fa. Algostat und Wollert, Fa. Algostat entfernt
jeweils 1 x Agl Fa. Wollert, liegt still
neu: Fa. Hadeler
Stammgleis n. Adelheide Fa. Rowedder, Timmermann, Rowedder liegt still
Luers und Link jeweils 1 x Agl Timmermann jetzt Movex
Luers noch aktiv, Link
Unbekannt; zusätzlich:
Agl. Danzas/Fedex am
Brendelweg (Hochregal)

Hasporter Damm Agl Bauhof entfernt
Delmenhorst-Süd große Anlage, 2 x Agl. Meister- Agl. Meistermarken ent-
Marken, Ladestraße, Ladegleis fernt; umgebaut auf 2
Kohlenhandlung Nolte Ausweich-/Abstellgleise
1 kurzes Stumpfgleis vor Bü


Insgesamt waren das damals ganz interessante Rangiermanöver, die möglich waren.

Wir sind aber nun mit unserer Fuhre von Harpstedt in Delmenhorst Gbf eingetroffen, stellen den beladenen Kesselwaggon in das Übergabegleis an die DB und setzen uns vor die Gruppe der bereitgestellten Eingangswagen für die DHE.
Wieder einmal nicht allzu viel:
1 x Hbis für Fa. Timmermann
1 x Hbis für Klingele
1 x Td für Landhandel Heiligenrode (Düngemittel)
1 x Fc für Landhandel Harpstedt (Eierkohlen)

Über die Bedienung der Anschlußgleise haben wir ja schon weiter oben gesprochen, interessant war aber, dass auch einmal Wagen für den End- und einen Unterwegsbahnhof mitzunehmen waren.
Der Zustand des Ladegleises in Heiligenrode war seinerzeit schon haarsträubend, wahrscheinlich hat sich dann auch der Lokführer entschlossen mit dem Triebwagen zu fahren, weil die Bedienung mit der Lok (Achslast!) doch einige Risiken barg.

13.06.08 22:23
harfe 

Re: DHE 1982 - 3. Teil

.... und die 2. Portion

In Harpstedt waren (und sind noch) umfangreiche Gleisanlagen vorhanden:
Gleis 1 Einfahr- und Bahnsteiggleis
Gleis 2 Umfahrung, davon abzweigend Gleise zum Bw
Gleise 3 und 4 / 5: Ladestraßen-/Rampengleis
Langes Anschlußgleis zur Raiffeisengenossenschaft (intern Gleis 11)
Gleis 10 und 10/2: Abstellgleise mit Lademaß
Gleis 12 Langes Abstell- und Ladegleis zur Holzverladung an der Delmenhorster Landstraße (mittlerweile abgebaut).

Die Dieseltankstelle für die Loks und den Triebwagen war vor dem Lokschuppen, mittlerweile ist die einer modernen Gemeinschaftsanlage für Schienenfahrzeuge und Omnibusse am Gleis 11 gewichen.
Gleis 11 ist mittlerweile hergerichtet worden zur Langholzverladung (befestigte Ladestraße im Anschluß an den Busplatz).

Die Fahrzeuge der DHE habe ich ja schon weiter oben beschrieben – es gab die beiden „großen“ Dieselloks 6 und 7 und dazu den Triebwagen T 121. Farblich waren die Loks wie folgt gestaltet:
Lok 7 anfangs im übernommenen rot der MHE, später dann ebenso wie Lok 6 in Ozeanblau/beige.
Lok 6 und 7 erhielten in den späten 80er Jahren Absturzsicherungen auf den Motorvorbauten, die eine Schmierung der Kipphebel auch außerhalb des Bw ermöglichen sollten.
Diese „Geländer“ waren eine eigene Erfindung des damaligen Werkstattleiters der DHE (der hatte einen Kursus bei der Berufsgenossenschaft absolviert und meinte, das „müsse so sein“), die sahen zwar hässlich aus, waren aber notwendig, wenn die Lok später dann nicht mehr immer nach Harpstedt zurückkehrte sondern die Woche über in Adelheide in der Kaserne blieb. Das war dann ab Mitte der 80er Jahre so – der Güterverkehr von und nach Harpstedt war so schwach geworden, dass ein täglicher Verkehr „nur um der Lok Auslauf zu gewähren“, nicht mehr wirtschaftlich war.
Der Verkehr wurde dann so gestaltet, dass Harpstedt nur noch am Freitag erreicht wurde, evtl. Werkstattarbeiten an der Betriebslok wurden dann am Sonnabend verrichtet (und das ist noch heute so, dass die Betriebswerkstatt an Sonnabenden arbeitet, dafür aber Montags nur einen Notdienst vorsieht) und an Montagen ging die Lok wieder zurück in den Dienst und damit nach Adelheide/Delmenhorst.

Anfang der 90er Jahre hat die DHE dann einen neuen Verkehr akquiriert: Die Meistermarkenwerke in Delmenhorst haben ihre Produktion ausgebaut und die Lagerhaltung an einen Fremddienstleister vergeben. Dazu wurde in Adelheide am Brendelweg ein temperiertes Hochregallager errichtet.
Die DHE kaufte 8 x Tbis-Waggons und errichtete einen Shuttle-Verkehr montags – freitags in 3 Schichten von Delmenhorst-Süd nach Annenheide/Adelheide.
Ab Anfang der 90er Jahre stand dann für den Verkehr eine moderne 400 PS starke, funkferngesteuerte Lok der Lokschmiede Schöma aus Diepholz zur Verfügung. Diese wurde als Lok 9 in den Bestand eingereiht. Zwischenzeitlich wurde von den Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunden auch deren O&K Lok übernommen, der schadhafte O&K Motor wurde in eigener Werkstatt durch einen geeigneten MB Busmotor ersetzt, entsprechend leistungsmäßig gedrosselt (für die Getriebeeingangsleistung) und dieselte nun als Lok 8 durch die Gegend.
Das Farbkleid wandelte sich auch: aus dem ozeanblau-beigen Anstrich wurde ein marineblauer Anstrich der Fahrzeuge mit weißen Zierlinien.

Allein der T 121 verblieb in der kleinbahntypischen rot-beigen Lackierung, zunächst mit grauer Schürze, später dann in der klassischen schwarzen Schürze.
Der heute vorhandene Schriftzug „Jan Harpstedt“ wurde erst Mitte der 90er Jahre am Fahrzeug angebracht.

Mitte der 90er Jahre ging dann auch die Lok 6, die bis dahin immer als Reservelok vorgehalten wurde mit Ablauf der HU in die Obhut der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde über. Es standen dann für den Güterverkehr Lok 8 und 9 zur Verfügung. Der Triebwagen wurde nur noch im absoluten Notfall im Güterverkehr eingesetzt.
Die Bank im Güterverkehr war (und ist) der „Margarineverkehr“ – heute allerdings nur noch in 2 Schichten. Dazu kamen in den letzten Jahren Verkehre von der Müllpressstation in Annenheide (neues Agl) und der neue Anschließer Movex (Polstermöbel) auf dem Areal der Spedition Timmermann.
Zusätzlich finden in letzter Zeit Düngerganzzüge ihren Weg nach Harpstedt, nachdem die Landhandelsgenossenschaften in Wildeshausen, Ganderkesee und Vechta nicht mehr im Güterverkehr der Deutschen Bahn erreicht werden können.

13.06.08 22:24
harfe 

Re: DHE 1982 - 3. Teil

.... und nun der Schluß des Ganzen:

Ab und an ist dann auch ein „Tiger“ der OHE mit Holztransportzügen von Harpstedt nach Niedergörne bei Stendal zu sehen.

Aktuelle Einsatzfahrzeuge bei der DHE sind die Loks 9 und 10 (eine Köf III / BR 332 ehemals Mittelweserbahn) – beide präsentieren sich in der gewöhnungsbedürftigen Farbgebung weiß/orange/grün der DHE sowie der Triebwagen T 121, der weiterhin für Sonderfahrten eingesetzt wird.

Ich hoffe, dieser kleine Bogen von früher bis nach heute hat gefallen.

30.06.08 21:32
Christian 

Moderator

Re: DHE 1982 - 3. Teil

Hallo Harfe,

leider bin erst heute dazu gekommen Deine - wie immer - schön zu lesende Geschichte zu verfolgen. Ich kann nur sagen - es macht Lust auf mehr! Nicht das ich Dir noch eine OP wünsche, aber ein bischen Zeit zum schreiben auf alle Fälle.

Zur Illustration Deines Beitrages steuere ich einige Fotos mit Lok 6 und VT 121 aus dem Jahre 1978 aus Harpstedt bei:








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Viele Grüße,

Christian

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