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Forum für Klein- und Privatbahnen

Aus alter Zeit I - 1. Teil (geht nur wieder in Häppchen
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17.10.08 20:48
harfe 

Aus alter Zeit I - 1. Teil (geht nur wieder in Häppchen

Hallo zusammen, Sebastian hat ja dankenswerterweise meine Urlaubsvertretung übernommen und wunderschöne Berichte über die FK geschrieben.
So, nun habe ich mal wieder gekramt und etwas gefunden - nichts kleinbahniges, sondern etwas von der "hohen Achse" - aber auch was zum schmunzeln.
Viel Spaß damit!

Ich kann nicht schlafen liegt sicherlich auch daran, daß ich heute intensiv geruht und mich mit wichtigen Dingen, wie spazieren gehen, Kaffee trinken, Leute gucken und dergleichen beschäftigt habe.
Die eine Geschichte aus alter Zeit und eigenem Erleben habe ich ja schon eingestellt, schön, daß es Euch gefällt.
Nun kommt noch eine Geschichte aus Alter Zeit die ich nicht selbst erlebt habe, aber aus Erzählungen weiß. Ich gebe sie, so gut ich sie noch in Erinnerung habe, wieder und hoffe, sie gefällt Euch auch:

Wie Ihr sicherlich wisst, bin ich Mitglied bei einer Museumsbahnvereinigung im Nordwesten Deutschlands. Wir unterhalten eine Dampflok und haben dafür in der Anfangszeit gerne auf die Hilfe alter Bremer Dampflokpersonale zurückgegriffen. Nun, es war so 1993 oder vielleicht auch ein wenig später (aber es soll ja auch in den historischen-Rahmen passen.) und einer unserer Mentoren Manfred G., damals Ausbildungslokführer bei der DB für E-Lokomotiven war krank. Richtig krank, er war nicht bettlägerig aber musste zu Hause abhängen.
Unser Altmeister Kalle Schittelkop aus Kirchweyhe, Bundesbahn-Lokomotivbetriebsinspektor und eine Seele von Mensch, und ich beschlossen, ihm einen Besuch abzustatten und ihn ein wenig aufzumuntern. Zu diesem Behufe haben wir dann auch Manfreds Kollegen Heinrich B., Lehrlokführer bei der DB und alter Dampflokführer, mit eingeladen.
Ich hatte mir für den Tag des Krankenbesuches extra freigenommen, weil ich noch ein paar Besorgungen machen wollte, Karl-Heinz hatte einen Tagesdienst mit sehr frühem Ende und schlug mir vor, daß ich ihn doch auf seiner letzten Tour für den Tag begleiten solle. Warum nicht Fahrten mit Kalle waren immer schön, auch wenn er immer dem Plan hinterherfuhr exaktes Bremsen und forsches Anfahren war nicht sein Ding. Insbesondere vom Steuerwagen aus traute er sich nicht, den Vegesacker sportlich zu beschleunigen er scheute den Weg nach hinten zur Lok, falls aufgrund zu scharfen Anfahrens irgendwelche Relais abfallen würden Nun, Kalle war wohlbeleibt und vermied körperliche Betätigung, wo es nur ging.

17.10.08 20:53
harfe 

Re: Aus alter Zeit I - 2. Teil (geht nur wieder in Hppchen


Nun, ich hatte alle meine Besorgungen erledigen können und fand mich dann zur vereinbarten Zeit am Bremer Hbf ein. Kalle fuhr mit einem Schieber von Nordenham ein, das Lokpersonal wechselte und wir wechselten auch den Bahnsteig. Von Gleis 1 nach 5 Nord, dort traf, gerade als wir die Treppe zum Bahnsteig hinaufkamen, ein Schieber aus Vegesack ein, den Kalle als letzte Leistung des Tages noch einmal nach Vegesack und zurück nach Bremen Hbf zu bringen hatte.
Am Steuerwagen fand die Ablösung statt, der abgelöste Lokfüher übergab die Utensilien an Kalle Knochen und diverse Schlüssel bis auf den für das Bremsventil das wäre sein eigener (Kalles Kommentar: die jungen Leute auch immer, das hats früher nicht gegeben und wenn ich jetzt auf die Lok steige und da ist kein Schlüssel und das Ventil ist abgesperrt stehe ich dumm da.). Nun, wir machten uns auf den Weg zur Lok, wie gewohnt, eine E-41. Der Steuerwagen war vom abgelösten Lokführer bereits präpariert worden, nun musste noch die Lok scharf gemacht werden: Außen am Fahrzeug die Sifa wieder einschalten (per Fuß, vorne rechts), Tür auf und rein. Kurzer Gang durch den Maschinenraum, INDUSI-Rolle beschriften, Bügelwahlschalter einstellen, zurück im Führerraum, Knochen rein und Fahrtrichtung verlegen. Hauptschalter einschalten, die Luftverdichter nahmen hörbar ihre Tätigkeit auf.
Nun noch das Spitzensignal einschalten und eine Wendebremsprobe.
Alles lief alles war gut.
Die Zeit der Abfahrt nahte und die Ausfahrt aus Gleis 5 Nord (mit Hp 2 = 60 km/h) stand auch Kalles Kommentar hierzu: so ein Blödsinn, um diese Zeit ist auf Gleis 6 eh nichts los, die könnten uns auch dort wenden lassen dann können wir auch mal schneller rausfahren. Nun, heute weiß ich, wieso er grummelte: die Geschwindigkeit galt nämlich aufgrund der Größe des Bahnhofs Bremen Hbf bis kurz vor dem Haltepunkt Walle ungefähr Höhe Osterfeuerberg, und das ist ganz schön weit.

Nun, die Uhr sprang auf die Abfahrtzeit, der Zugführer pfiff, schloß die Türen und bediente die Zp9-Apparatur und machte sich dann schnell auf in die noch offenstehende Tür. Der grüne Kranz erschien, noch ein Blick zurück an den Zug alles in Ordnung Abfahrt! Mit dem Impuls-Schalter der E-41 ein paar Stufen anwählen Fahrmotorlüfter einschalten und leicht knarrend setzt sich die Fuhre in Bewegung.
Ausfahrt mit 60 km/h. Nun, Kalle fuhr nach den Buchstaben der Fahrdienstvorschrift In Walle hatten wir schon 1 min +. (ich weiß nicht, wie die anderen Kollegen das machten, aber das wollen wir hier jetzt nicht diskutieren).
In Walle stiegen etliche Fahrgäste zu es war früher Nachmittag, wahrscheinlich Schichtwechsel im Hafen, viele wollten nach Hause, und das war in Schönebeck oder Vegesack, damals (und auch heute noch) eine begehrte und beliebte Wohngegend.
Abfahrt (ich stand links am Fenster und übermittelte die Befehle) weiter gehts. Zwischen Walle und Oslebshausen konnte die E-41 auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h ausgefahren werden, links erstreckte sich der umfangreiche Betrieb des Bremer Rbf mit seinen markanten Stellwerken (übrigens alle der Bauform E 43). Beim Stellwerk Bve musste jedoch schon abgeschaltet sein und die Betriebsbremsung eingeleitet sein, sonst wurde das nichts mit fahrgastfreundlichem Halten in Oslebshausen. Nun, auch diesen Haltepunkt nahmen wir nun allerdings schon mit +2 Kalle war am Grummeln nun fahr ich schon mit allem was ich kann, und wieder haben wir Verspätung ich wusste, woran das lag: Kalle schaltete nicht sehr forsch auf selbst von der Lok nicht dafür kam bei ihm das charakteristische Knallen der E-41 nicht so zu Gehör. Außerdem war er ein vorsichtiger Bremser, lieber früher und dafür sanfter, und die Lok wurde selbstverständlich auch immer schön ausgelöst (er war ja alter Dampflokführer) Sein Spruch war immer wir haben bei uns Lokomotiven, die nur den Vegesacker fahren, bei denen muß zwei Mal wöchentlich der Satz Bremssohlen gewechselt werden (ich bezweifele dies zwar noch immer, aber vielleicht kann ja ein Leser helfen.).
Nun, es sei wie es sei wir fuhren weiter gen Norden, am Grambker See vorbei Hp2 Einfahrt nach Bremen-Burg. Wir mussten ganz nach links rüber, Fahrtechnisch ging das damals nicht anders. Ausfahrt Burg nun noch immer mit + 2 also: mit 80 km/h auf der Strecke nach Vegesack war da nicht mehr viel rauszuholen, dazu starker Ausstieg in Lesum und Schönebeck und wir erreichten Vegesack mit + 4, das verkürzt dann natürlich die Wendepause
In Vegesack: an der Lok den Schluß einschalten, Stromabnehmer wechseln, Sifa der Lok ausschalten, Knochen mitnehmen, Führerbremsventil auf anlegen, 2 Sekunden verharren, dann in Abschluß-/Verschlußstellung, abschließen und Schlüssel mitnehmen. Zurück zum Steuerwagen, diesen Aufrüsten, Sifa einschalten, Wendebremsprobe und dann gings auch schon zurück.
Wir hatten, Gott-sei-Dank, einen vernünftigen Steuerwagen und keine Hasenkabine Kalle, der wohlbeleibte, musste in den Kabinen immer leicht seitwärts sitzen, das mochte er gar nicht.
Pünktlich Ausfahrt aus Vegesack Kunststück, es war zu der Uhrzeit auch nicht viel los und fast pünktliche Ankunft in Bremen Hbf. Kalle hatte Dienstschluß und übergab den Zug an einen anderen Kollegen, den ich vom Sehen jedoch auch kannte (Spitzname: IC-Klaus, noch heute beim DEV aktiv).
Zur kurzen Erklärung sei gesagt, daß die Dienstschichten beim Bw Bremen Hbf alle anfallenden Züge umfassten. Hochwertíge Reisezüge, Nahverkehr und auch Güterzüge gehörten dazu. Die Touren nach Vegesack waren bei fast jeder Leistung, entweder zu Beginn oder zum Ende, mit dabei (als Füller). Ansonsten wurde aber auch darauf geachtet, daß einige Kilometer zusammenkamen denn es ging ja ums Nebengeld. (der Tagebuchführer war auch Lokführer und der wusste, was die Kollegen wollten).

17.10.08 20:56
harfe 

Re: Aus alter Zeit I - 3 Teil (geht nur wieder in Hppchen


Kalle und ich machten uns nun also auf zu unserem Vereinskollegen Manfred G., der in Findorff wohnt nicht weit vom Bahnhof. Wir waren zu einem leichten Vesper verabredet, Manfred wollte auch das ein oder andere Bier kalt stellen.
Wir kamen an und kurz nach uns traf dann auch Lehrlokführer Heinrich B. ein. Im Hobbyraum war für uns gedeckt, es gab ein paar geschmierte Brote, leckere Frikadellen, Bier und für Kalle auch das ein oder andere Feuerwasser. Und dann begann es, woran ich noch immer gern zurückdenke: die 3 alten Fahrensleute begannen zu erzählen, von früher, von der Dampflok, von tatsächlich Erlebten, evtl. Erlebten und Erfundenem.
Ein paar Kostproben hiervon möchte ich gerne noch geben, aber es ist jetzt schon spät ich werde, als Köder, eine Story zum Besten geben der Rest kommt dann Morgen oder zum Wochenende, bis dahin bitte ich noch um ein wenig Geduld:

1. Story
Heinrich B. ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, man muß ihm gegenüber sitzen, damit man alle Nuancen seiner Sprache, seiner Mimik und seiner Gestik auch wahrnehmen kann. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Geschichte, wo er als junger Lokführer auf Diesellokomotiven mit V 36 und Wendezügen den Vorortverkehr nach Bremen-Vegesack bestritt. Er war damals Reservelokführer, hatte aber schon eine Diesel-Einweisung erhalten. Grund war folgender: Die Vegesacker Vorortzüge fuhren zweimännig aufgrund fehlender Sifa und schlechter Streckensicht. Die Lok fuhr immer Richtung Vegesack, der Steuerwagen Richtung Hbf.
Vom Steuerwagen aus wurden mit einem Hagenuk-Gerät (das war eine bessere Klingelleitung) zur Lok übermittelt. Es gab die Stellungen: Achtung Beschleunigen Verharren Abschalten (wenn ich mich nicht irre). Gebremst wurde vom Steuerwagen aus mit dem Führerbremsventil.
In Richtung Vegesack war es für die Junglokführer nun langweilig, da hatten die nichts zu tun, als die Strecke mit zu beobachten und auf den Klang des Motors zu lauschen.
Aber ab Vegesack, da kam die Stunde der jungen Männer: (ich versuche nun, möglichst genau den Originalton zu treffen)
Mit stolz geschwellter Brust standen wir in der Loktür am Fenster der Zugführer schloß die Türen, gab Abfahrt und der Maschinentelegraf klingelte und sprang auf Beschleunigen. Richtung lag an, also wurde die Maschine aufgerissen, daß es eine Pracht war (mit einigen Maschinen wurden offenbar Rauchpilze entwickelt, die dem Dampfbetrieb nicht nachstanden.). Von Vegesack nach Schönebeck stieg es an und man musste wirklich mit Leistung an den Bahnsteig heranfahren.
Dann wieder Ring-Ring Brücke an Maschine Abschalten und der Führer bremste ab.
Ja, was soll ich sagen so ging das damals bis nach Bremen Hbf hin, wie bei der Marine, aber es ging und gut sogar!

So, Leute es reicht für heute, es gibt später noch mehr, ich werde die Geschichten aus alter Zeit nenne, damit ihr sie auch wiederfindet.
Gute Nacht und bis bald.

17.10.08 21:24
harfe 

Aus Alter Zeit II - 1. Teil (auch hier geht es nur wieder in Hppchen)

Ach Leute - noch ist Zeit, ein Häppchen habe ich noch für Euch:

Wir waren beim legendären Lokführerstammtisch bei Manni G. in Bremen-Findorff angelangt. Eine Story über den Wendezugbetrieb mit V 36 und ehemaligen Triebwagenbeiwagen hat der Kollege Heini B. ja schon zum Besten gegeben. Nun wurde erst einmal wieder ein Bier getrunken für Kalle gab es ein Feuerwasser. Nachdem die Stimmen geölt waren, ging es weiter:

Heinrich B. gab noch einmal eine Story aus der Dampflokzeit zum Besten ich bemühe mich, seine Ausführungen so wahrheitsgetreu wie möglich wiederzugeben und betone hierbei noch einmal, daß die folgenden Ausführungen nicht selbst erlebt, sondern nur gehört und aufgeschrieben sind:

es war so Anfang der 60er Jahre ich war gerade frisch gebackener Reservelokführer, strotzte vor Tatendrang und wollte die Welt erobern. Nun, ich fuhr wild und wo immer es nötig tat, waren meine Dienste und ich gefragt. Für einen Sonnabend war ich einer Bedarfsschicht zugeteilt. Es war Herbst und ich sollte mit Oberlokführer Egon (der mit den Klavieraugen, aber dazu später mehr) eine Dampflok BR 50 besetzen. Ich meldete mich in der Lokleitung, erhielt die Schlüssel und machte mich auf zur Lok. Die stand außen an der Scheibe und hatte ein gutes Ruhefeuer.
Ich stellte den Generator an, kehrte den Führerstand aus legte noch einige Kohlen auf. Kurz danach erschien der Herr Oberlokführer. Dazu sei gesagt, daß wir Junglokführer (gerade erst vom Heizer zum Reservelokführer befördert) es damals gar nicht wagten, die Altgedienten zu Duzen zumindestens nicht bei der ersten Begegnung. Ich stellte mich vor und er sagte: Schön, Herr B., heute gehts in die Heide Kartoffeln holen, das wird schön! Und dazu klimperten seine Augen munter auf und zu das muß ein altes Kriegsleiden gewesen sein, nervös bedingt, auch wenn es gar nichts zum Aufregen gab seine Augenlider klimperten immer auf und zu deshalb der mit den Klavieraugen.
Nun gut, dann eben in die Heide. Die Strecken rund um Bremen kannte ich gut und wusste, wo ich was machen musste. Warum Kartoffeln holen schön sein sollte, wollte sich mir nicht so recht erschließen, aber Egon war da ja der alte Hase und wusste Bescheid.
Nun, wir hatten Dampf, konnten über die Drehscheibe zur Meldestelle und uns als Lz zum Rbf anmelden.

17.10.08 21:27
harfe 

Aus Alter Zeit II - 2. Teil (auch nur wieder in Hppchen)

Im Rbf übernahmen wir eine lange Leine mit O-Wagen (heute heißen die Dinger E-Wagen, wenn es die überhaupt noch gibt). Einen Zugführer gab es nicht, da kein Packwagen und kein Kabinentender vorhanden war. War aber auch nicht nötig, denn es war ein Ganzzug, der in der Zustammenstellung blieb. Er war vorbereitet und die Aufsicht übergab uns Wagenliste und Bremszettel. Nach Ankuppeln der Lok erfolgte noch eine vereinfachte Bremsprobe und dann ging es los die Wagen waren leer, hatten aber die unangenehme Eigenschaft, den Wind zu fangen, und fuhren deshalb leer genauso so schwer wie im beladenen Zustand.
Es ging also durch den Hbf ab Abzweig Hastedt/Vahr vorbei, durch Sebaldsbrück, links am damals noch voll im Saft stehenden Aw vorbei, wir passierten Bremen-Mahndorf Achim Baden und Etelsen und erreichten Langwedel. Hier ging es links ab auf die damals noch 2-gleisige Amerikalinie Richtung Soltau. Nach kurzer Fahrt auf der Heidebahn erreichten wir Visselhövede. Dort war örtliches Rangierpersonal bereit und wartete schon auf uns. Die leeren O-Wagen mussten im Güterteil des damals noch ausgedehnten Bahnhofes (es gab ja noch die Strecke von Walsrode nach Rotenburg/Wümme, die über Vissel führte) abgestellt werden und im Ladestraßenbereich sollten wir eine genauso lange Leine mit Kartoffeln beladener O-Wagen aufnehmen. Das wollten wir auch und fuhren an die Ladestraße aber, was musste Egon dort feststellen? Der Zug war erst halb beladen! Es war also nichts mit frühem Feierabend und einer glatten Tour. Schon stieg er von der Lok, ging auf die verantwortlichen Genossenschaftsmitarbeiter zu und begann zu schimpfen. Ich blieb natürlich auf der Lok und betrachtete die Diskussion aus der Ferne. Egon schimpfte und klimperte mit den Augen, daß es eine Pracht war Auszüge? Nun, hier ein paar Bonmots: was ist denn hier los hier ist ja noch gar nichts fertig! Und wir fahren wie der Teufel aus Bremen um hier die Eilgüter aufzunehmen! Und das an einem Sonnabend, wo die Eisenbahn sowieso schon knapp an Personal ist! Wir müssen zurück die Lok wird dringend in Bremen gebraucht (das stimmte zwar nicht es standen immer mindestens 2 50er Dampflok unter Dampf auf dem Rand aber ich wusste nicht, was Egon damit bezwecken wollte) ich habe große Lust, hier wieder abzuhauen, das dauert mir alles zu lange immer diese Trödelei! Nun, Egon war in, wie ich jedoch auch aus der Entfernung bemerkte und da ich ihn ja in der Zwischenzeit kennengelernt habe, gespielter Rage ich wusste aber immer noch nicht, was er damit bezwecken wollte.
Den Genossenschaftsmitarbeitern war die ganze Sache sichtlich peinlich, sie hatten neue Leerwaggons geordert und hatten gemeldet, daß im Austausch gleich eine volle Einheit mitgenommen werden sollte. Aus irgendwelchen Gründen war die Beladung der Waggons jedoch ins Stocken geraten und lief nicht so ab, wie es sich die Verlader vorstellten. Auf alle Fälle sprachen die Herren beruhigend auf meinen Lokführer ein, legten ihm die Hand auf die Schulter und zeigten in Richtung Bahnhofsgebäude. Egon schüttelte mit dem Kopf und zeigte zur Lok, nun, alle machten sich dann auf in Richtung der Lok und ich konnte die Gespräche jetzt deutlicher mithören: nun beruhigen Sie sich doch, Herr Lokführer. Wir brauchen noch ca. 2 Stunden. Gehen Sie mal erst in die Bahnhofsgaststätte und stärken Sie sich dort! Ein Genossenschaftsmitarbeiter offensichtlich ein höherer mit Hut zückte ein Zigarrenetui aus der Jacke, öffnete es und bot Egon an. Egon langte zu mit dem Eisenbahnerrollgriff versteht sich, dabei in meine Richtung blickend und fragte Sie rauchen doch auch, Herr B. schon war das Etui leer (ich rauchte damals zwar, aber keine Zigarren).
Nun, Egon lamentierte weiter, meinte, er könne die Lok nicht alleine lassen und wenn schon, dann müsste sein Kollege (also ich) auch mit, wir beide könnten eine Stärkung gut vertragen, denn immerhin hätten wir unsere Nachtschicht extra für diesen einen Kartoffelzug, der nun nicht fertig sein, verlängert. Ich bewunderte Egon, der konnte lügen, ohne rot zu werden und wenn er die Wahrheit schönte, klimperten seine Augen auch mal ausnahmsweise nicht. Die Herren nickten und waren froh, den Lokführer überzeugt zu haben Egon enterte wieder die Lok, blinzelte mir spitzbübisch zu und meinte, augenklimpernd, ich hab doch gesagt, das wird ein schöner Tag!
Wir zogen mit der Lok vor zum Fernsprechkasten, Egon nahm Kontakt mit dem Fahrdienstleiter auf und wir fuhren mit der Lok zum Empfangsgebäude, stellten die Lok dort in der Nähe in einem Stummel ab, ich legte ein Ruhefeuer an und speiste den Kesseldruck ein wenig herunter. Egon meinte, für eine halbe Stunde könnten wir die Lok ruhig alleine lassen.

17.10.08 21:29
harfe 

Aus Alter Zeit II - 3. Teil (und Schluß)

Gemeinsam betraten wir die Bahnhofswirtschaft. Dort war tatsächlich schon alles bereit für uns. Eilfertig rannte die Wirtin in die Küche und brachte Teller mit Kartoffelsalat und frisch gebratenen Koteletts, dazu Senf aus dem Steinguttöpfchen und 2 frisch gezapfte Helle. Na ja, eins geht, dachte ich mir.
Wir futterten und tranken das frische Bier dazu. Nach 20 min meinte ich, mal nach der Lok schauen zu müssen, was ich auch tat. Alles war in Ordnung der Kessel blieb ruhig, das feuerte brannte ruhig, wie es sich gehörte. Ich legte kreisförmig ein paar Kohlen nach und sah noch überall mal nach dem Rechten.
In der Zwischenzeit ging im Stellwerk ein Fenster auf und der Fahrdienstleiter rief mir zu euer Kartoffelzug ist in ca. 30 min fertig beladen. Ich dankte und ging dann wieder zurück in die Wirtschaft, um zu sehen, was Egon so macht.
Nun, der war auch fleißig und hatte noch einen weiteren Teller Kartoffelsalat und Kotelett verspeist und die Wirtin war eifrig am Bier zapfen.
Ich überbrachte meinem Meister die frohe Botschaft, daß wir bald hier wieder in den Feierabend verschwinden könnten, aber nun war der Meister störrisch: jetzt trinken wir erst mal in Ruhe aus und orderte zwei weitere Bierbezahlt alles die Genossenschaft waren seine Worte. Nun, die halbe Stunde verging und es verging auch eine Stunde mit dem Effekt, das ich immer besorgter und Egon immer lustiger wurde.
Irgendwann wurde es mir jedoch zu bunt und ich nahm Egon am Arm und sagte, daß es jetzt Zeit wäre für uns, die Kartoffeln müssten nach Bremen und er müsse ins Bett.
Egon wollte fahren, aber ich ließ ihn nicht. Besser war das er hatte in der Bahnhofswirtschaft zusammen mit den Herren der Genossenschaft und einigen anwesenden Bauern einen zünftigen Frühschoppen veranstaltet offensichtlich kannte man sich. Egon wurde nun schläfrig, ich setzte ihn auf meinen Hocker, wickelte ihn in den Tendervorhang, damit er sitzen blieb und fuhr die Lok alleine an den Zug. Das örtliche Rangierpersonal machte mit mir zusammen die Bremsprobe und fertigte die Wagenliste. Wir konnten direkt von der Ladestraße aus in Richtung Bremen ausfahren, das war gut, ersparte es mir doch ein wildes Rangiermanöver.
Nun hatte ich aber alleine die Verantwortung ich musste heizen, fahren und auf Egon aufpassen, der zwischendurch immer wieder aufwachte und an den Regler wollte, was ich aber zu verhindern wusste.
Nun, wir kamen auch irgendwie in Langwedel an, mussten noch einen D-Zug aus Hannover durchlassen und konnten dann unsere Kartoffelfuhre gen Bremen fahren. Kurz vor dem Rbf erwachte Egon aus seinem Schlaf, klimperte mit den Augen und begann, das Feuer zu beschicken und ließ mich weiter fahren.
Abstellen des Zuges im Rbf, Übergabe der Wagenliste an die Aufsicht und dann Lz zurück ins Bw. Bekohlen und Wasser nehmen und dann endlich Feierabend mit einem spitzbübischen Grinsen sagte Egon ich habe Ihnen doch gesagt, das wird ein schöner Tag!!!!

Hier endete Heini in seinen Erzählungen und wir konnten erst einmal wieder eine neue Flasche Bier öffnen und uns erinnern, wie schön doch damals die Dampflokzeit war.

Tja, der Stammtisch ging natürlich noch weiter, immerhin hatte erst einer erzählt und die anderen hatten auch noch was zum Besten zu geben, aber ich finde, das reicht für heute wollt Ihr mehr???

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