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Forum für Klein- und Privatbahnen

Aus Alter Zeit III - Lokführerstammtisch 1. Teil
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harfe 

Aus Alter Zeit III - Lokführerstammtisch 1. Teil

Nun, Heinrich B. hat seine Story zum Besten gegeben, die trockenen Kehlen wurden wieder angefeuchtet und jeder sollte ja was erzählen die Reihe war an Manfred G., seines Zeichens Ausbildungslokführer für E-Lokomotiven (von der Altbaulok bis zum ICE).
Er stellte seine Geschichte unter die Überschrift wie ich in Bremen das Licht ausknipste.

Zunächst möchte ich aber noch ein wenig die Charaktere des legendären Lokführerstammtisches beschreiben wir erinnern uns: beteiligt waren Heinrich B., Lehrlokführer Dampf-, Diesel- und E-Lokausbilder, Prüfungsbeisitzer und Abnahmelokführer für schwere Fälle des Aw Bremen. Ein Mann, der erzählen konnte, ihm konnte man stundenlang zuhören. Er kam aus der Aachener Gegend nach Bremen, war dann einige Zeit am Maschinenamt Oldenburg und kam Ende der 80er Jahre zurück nach Bremen.
Dann war da noch Manfred G. wie schon erwähnt Ausbildungslokführer für E-Lokomotiven mit besonderer Begeisterung für Computer und Simulatoren. Er war ein As was die Baugruppen an E-Loks anbelangte und auch Dampferfahren, kam er doch ursprünglich vom Bw Kirchweyhe. Sein didaktisches und pädagogisches Talent war jedoch, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftig. Man musste schon sehr genau hinhören und ihn und seinen Charakter kennen, um nicht gleich in Tränen auszubrechen, wenn er alle Lehrgangsteilnehmer als Fliegenfänger beschimpfte. Sein Temperament ging oft mit ihm durch. Besonders regte er sich damals Anfang der 90er Jahre über die Lokführeraspiranten auf, die mit Sandalen, Baseballcap und Rucksack zum Dienst erschienen, keinen Arbeitsanzug oder kittel und keine Handschuhe dabei hatten und Lokführer werden wollten. Die wurden erst recht in die schmierigsten Ecken des Maschinenraums geschickt um irgendwelche verborgenen Dinge zu ergründen.
Und dann war da noch Karl-Heinz (Kalle) Schittelkop (der hieß wirklich so sein Spitzname bei einigen Zugbegleitern war Wackelbirne eine Verbalhornung seines Nachnamens). Kalle war der Älteste in der Runde, alter Schnellzugheizer und Dampflokführer vom Bw Kirchweyhe, dann Mitte der 60er Jahre E-Grundlehrgang um die ETA von Bremen aus zu fahren. Später dann noch einmal E-Lehrgang (obwohl er den ja schon hatte aber das haben die Strategen damals natürlich für sich behalten Lehrgangszeiten waren immer angenehm.) und Patente für die Baureihen 141, 110/112/140 sowie die gebräuchlichen Steuerwagen. Nur für die Sechszylinder (BR 150/151 und 103) hat es bei ihm nicht geklappt die Prüfung hat er nicht gemacht (ich vermute mal, nicht bestanden). Er war eine Seele von Mensch ursprünglich aus der Wilhelmshavener Gegend wollte schon immer Lokführer werden und später den Kindern von der großen Lok hinunterwinken, das hat er auch gerne gemacht Kinder waren bei ihm immer gut aufgehoben. Ebenso Menschen, die was wissen wollten. Kalle war ein Freund klarer Worte und klarer Flüssigkeiten sein Leitspruch war segg, wat wohr is drink, wat kloar ist. Bei unseren Gesprächsrunden gehörte die Flasche mit Feuerwasser mit dazu!
Na ja, und dann war noch ich da, damals noch nicht ganz Lokführer, aber Heizer bei der Museumseisenbahn, die uns alle verband. Von Beruf Kaufmann und in Seitenbereichen hatte ich auch mit der Eisenbahn zu tun, aber davon erzählte ich ja schon.


harfe 

Aus Alter Zeit III - Lokfhrerstammtisch 2. Teil

Nun, wieder zurück zur Story von Manfred: (hier noch einmal erklärend gesagt, daß ich versuche, die Gespräche von damals getreu den Worten und der Aussage wiederzugeben).

es war irgendwann in den 70er Jahren. Ich fuhr damals auch wild es war kurz vor Beginn meines Einstiegs in das Ausbildungsgeschäft. Oktober wars, der Freimarkt war gerade angefangen und ich sollte am frühen Abend eine Leistung mit einer Lok der Baureihe 141 beginnen.
Ich übernahm die Lok an der Drehscheibe und musste, um zu meinem Zug zu gelangen, mit der Lok einmal von der Nord- auf die Südseite wechseln. Dazu war es notwendig, zunächst das Lokfahrgleis in westlicher Richtung bis hinter das Wende LS zu befahren, von dort aus hätte ich dann über die Verbindungsgleise in die östliche Abstellgruppe fahren können.
Der Drehscheibenwärter stellte meine Lok und mich in die richtige Richtung und ich fuhr langsam von der Scheibe in das Ausziehgleis und über die Brücke der Findorffstraße.
Parallel neben mir fuhr ein Eilzug in Richtung Hamburg aus und in einem Abteil befand sich eine nett anzuschauende Dame, mit mir auf Augenhöhe.
Ich war sehr auf die linke Seite konzentriert und hätte stundenlang so weiter fahren können wenn, ja wenn das Ausziehgleis nicht mit einem Prellbock abgeschlossen wäre.
Das Unheil nahm seinen Lauf der Prellbock kam mit ziemlicher Geschwindigkeit auf mich zu, die eingeleitete Schnellbremsung unter Zuhilfenahme von Sand war leider nicht mehr rechtzeitig. Meine Lok und ich prallten auf den Prellbock auf, der um einige Meter weiter geschoben wurde, was nicht weiter schlimm gewesen wäre, wenn, ja wenn nicht kurz hinter dem Prellbock ein Transformator für die Stromversorgung des Bremer Hauptbahnhofes im Wege gewesen wäre
Ihr könnt Euch denken, was passierte Blauer Blitz Krachen und plötzliche Stille und Dunkelheit.
Meine Lok war zum Halten gekommen unversehrt krabbelte ich vom Führerstand und fluchte leise, immer wieder hatte ich schließlich junge Lokführerkollegen, die bei mir ihre ersten Fahrten absolvierten, auf die Kürze des Ausziehgleises hingewiesen und nun passierte ausgerechnet mir das!
Zu Fuß und ziemlich bedröppelt machte ich mich auf, zurück zum Bw und dort in die Lokleitung. Auch dort herrschte eine seltsame Stille und Dunkelheit.

Im Büro der Lokleitung angekommen, saßen die Kollegen dort bei Kerzenlicht ich berichtete von meinem Missgeschick und die Kollegen berichteten mir, daß aufgrund Ausfalls der Stromversorgung die Beleuchtung, die Weichen- und Signalantriebe im gesamten Bremer Hbf und den angeschlossenen Gebäuden ausgefallen sei. Das war mein Verdienst!

Natürlich musste der Vorfall auch durch die Dienststellenvorgesetzten aufgenommen und bewertet werden ich machte mich auf peinliche Fragen gefasst die Auswertung des Missgeschickes ergab aber, Gottseidank zu meinen Gunsten, das zeitlich unglückliche Zusammentreffen einer kurzen Unaufmerksamkeit des Lokführers mit einem altersschwachen Prellbock und dem unpassenden Stellort einer Stromversorgungseinrichtung.
Heute steht der Trafo seitlich neben dem Ausziehgleis, so was sollte nicht wieder vorkommen.

Hier endet Manfred und hat natürlich auch die Lacher auf seiner Seite.
Auch er konnte, wenn er wollte, humorvoll und sehr ausschweifend erzählen ich hoffe, es hat Euch auch ein wenig Spaß bereitet und, wenn Ihr wollt, gibt es Morgen noch ein wenig mehr.


harfe 

Aus Alter Zeit - Lokfhrerstammtisch IV 1. Teil


Guten Morgen, liebe Leser,

ich versprach eine Konserve - für etwas Neues habe ich im Augenblick leider keine Zeit:

Wo waren wir stehengeblieben ach ja, Manni hatte in Bremen das Licht ausgeschaltet war ja auch Verschwendung, alles so hell erleuchtet zu lassen, wo doch durch den Freimarkt sowieso schon sooo viel Beleuchtung in der Umgebung des Hauptbahnhofes war.

Nun war aber mal der Kalle an der Reihe der hat bislang immer nur mitgelacht, Feuerwasser getrunken und es bestand die Gefahr, daß man ihn nicht mehr klar verstand, wenn er jetzt nicht redete also, Kalle öffne Deinen Fundus für uns (und die Leser in diesem Forum):

(ich muß eingangs noch einmal wieder erklärend erwähnen, daß ich mich nur als versuchter wahrheitsgetreuer Berichterstatter sehe ich hatte Gelegenheit, an diesem denkwürdigen Stammtisch, der in dieser Runde leider nur ein einziges Mal stattfand, teilzunehmen, habe viel gelernt und alles bis heute im Kopf behalten. Vielen Dank übrigens für die positiven Reaktionen auf die Berichte hier im Forum viele von Euch mögen offensichtlich so einen Lesestoff und haben mir empfohlen, darüber doch Bücher zu schreiben. Nun, gemach, liebe Leser soooo viel Stoff habe ich auch nicht und ein Buchprojekt nein, dazu habe ich nun wirklich keine Zeit und keine Lust. Erfreut Euch ab und an an den kleinen Geschichten, die ich hier zum Besten gebe und ich freue mich, wenn es Euch freut)

es war zu der Zeit, wo ich vom Bw Kirchweyhe nach Bremen Hbf versetzt worden bin. Ich hatte die E-Grundausbildung in Opladen absolviert, Lokführer war ich ja schon, und in Bremen Hbf habe ich dann die Baureihenunterweisung für den ETA 150 (später BR 515) erhalten. Von Bremen aus fuhren die damals in den 60er Jahren in Richtung Heide (nach Uelzen), Richtung Osnabrück (über Delmenhorst Wildeshausen Vechta Bramsche), nach Blexen (über Hude Nordenham) und nach Bremen-Vegesack. Einige Leistungen gingen auch über Verden Rethem Schwarmstedt in Richtung Celle, aber die fuhren wir nicht mit den Bremer Triebwagen.
Nun gut, mit dem ETA war das ein gemütliches Fahren. Wir hatten alle saubere Hemden an, sollten, wenn möglich, die blaue Dienstmütze tragen und eine schwarze oder graue Stoffhose. Die Bremer Triebwagen, die nach Bremen-Vegesack eingesetzt wurden, zeichneten sich durch die größere Anzahl an 1. Klasse-Plätzen aus, das Publikum von Vegesack war schon immer etwas besonderes. Aber mit den Akkus bin ich nicht gerne nach Vegesack gefahren. Durch die etwas schwachbrüstige Beschleunigung konnten die Fahrzeiten immer mehr schlecht als recht gehalten werden (Anm. aber damit hatte Kalle ja schon immer ein wenig Probleme, wie wir aus den vorangegangenen Berichten wissen).
Lieber bin ich mit dem ETA nach Nordenham-Blexen (letzter Bahnhof vor Amerika) oder nach Vechta Bramsche gefahren. Das war schön! Da hatte noch jede Bahnhofswirtschaft einen Ausschank mit Schiebefenster zum Bahnsteig hin, und wenn da die richtige Mannschaft zusammen war. Wir waren ja damals immer, wenn wir mit Steuerwagen fuhren, zu Dritt: Zugführer, Schaffner und Lokführer. Das Zugpersonal fuhr schon langjährig auf den Strecken und ich wurde hier als Neuer so richtig eingeführt.
Einmal hatten wir in Wildeshausen eine Kreuzung abzuwarten, wir wollten mit dem ETA (als Leereinheit) nach Bremen in den Feierabend, der Gegenzug aus Richtung Delmenhorst hatte Verspätung.
Wir enterten die Wirtschaft und jeder gab mal einen aus, wir spielten Karten und knobelten bis dann endlich der Fahrdienstleiter ganz aufgeregt in den Schankraum in diesem war außer uns zu der Zeit glücklicherweise niemand anders zugegen gestürzt kam und rief: euer Gegenzug ist schon lange durch meine Herren, nun fahrt doch endlich ab!!!!
Wie wir so manches Mal nach Hause gekommen sind, weiß ich auch nicht mehr, aber man kannte sich.
Meine Frau war natürlich damals nicht begeistert, wenn ich nach solchen Touren ein wenig glücklich, aber auch ärmer, weil die Kollegen mich beim Kartenspiel ausgenommen hatten, nach Hause kam und wurde sie ist eine resolute Frau beim Dienststellenvorsteher des Bw vorstellig und erreichte, daß ich möglichst nicht mehr nach Bramsche eingesetzt werden sollte. Das war in ihren Augen kein angemessener Umgang für mich nun, sie hatte wahrscheinlich Recht.
Nach Bramsche ging es nun nicht mehr, dafür dann nach Uelzen und nach Vegesack und immer öfter auch nach Nordenham und Blexen.
Nach Blexen bin ich damals immer gerne gefahren, insbesondere die letzten Züge von Bremen, die in Blexen endeten und dann in Nordenham übernachtet haben. Das war auch schön. In Blexen oder Nordenham konnte immer günstig Fisch besorgt werden, ich stand schon immer sehr auf Räucherfisch, der wurde dann als Abendbrot verkasematuckelt und dazu gab es dann auch immer ein paar schöne Flaschen Bier zu trinken (Anm. Feuerwasser gab es dort sicherlich auch, aber das verschwieg der Erzähler hier).
Nun, morgens ging es dann gegen 05:00 h mit dem ersten Zug wieder nach Bremen, manchmal jedoch umlaufbedingt auch erst mit dem zweiten Zug gegen viertel vor sechs, und das war ein Eilzug.
Hier nahm das Unglück nun wieder seinen Lauf. Wir hatten am Abend zuvor reichlich diskutiert und Räucherfisch gegessen und hatten uns dann zur Ruhe begeben um dann um 05:45 h den Eilzug nach Bremen zu übernehmen.


harfe 

Aus Alter Zeit - Lokfhrerstammtisch IV - 2. Teil


Ich weiß nicht, ob es am Räucherfisch oder an etwas anderem lag nach dem kurzen Frühstück in Nordenham verspürte ich unterwegs während der Fahrt großen Durst und Hunger.
Aber dafür gab es ja Linderung: unterwegs gab es einen kleinen Bahnhof, der hieß Hammelwarden. Der dortige Fahrdienstleiter, der sein Dienstgebäude auch direkt am Bahnsteig hatte, betrieb in den Diensträumen eine kleine Kantine. Viel los war das ja nicht es war eine eingleisige Strecke, das Zugangebot war überschaubar und mit irgendwas musste man sich ja beschäftigen. Also bot dieser einsame Fahrdienstleiter Getränke, geschmierte Brote und warme Würstchen für Eisenbahner an. Dieser Service war bekannt und wurde offensichtlich gut genutzt.
An die eine vorhandene Schuko-Steckdose im Dienstraum wurde findig eine Doppelsteckdose mit Verlängerung und weiterer Doppelung gesetzt, damit neben der Schreibtischleuchte auch ein Würstchenkocher, eine Kaffeemaschine, ein Kühlschrank, ein Wasserkocher und ein Toaster betrieben werden konnten. Waren alle Geräte im Einsatz, gab es im Dienstraum keine Heizungsprobleme mehr. Die Wand, in der die Steckdose eingelassen war, soll immer warm gewesen sein.
Nun, wie gesagt, ich hatte Hunger und Durst und so sagte ich in Rodenkirchen dem Fahrdienstleiter Bescheid, daß der Hammelwarder Kollege bitte für mich ein wenig zu essen und zu trinken bereiten möge.
Die Verabredung war dann immer, nach der Vormeldung brachte der Fahrdienstleiter Hammelwarden die bestellten Artikel im großen EDS-Umschlag an den Zug, kassierte und verschwand wieder.
Nun, frohgemut fuhr ich auch Hammelwarden zu, Einfahrt frei, die Ausfahrt stand auch schon und ich hielt auch richtig schön am Fahrdienstleiter an der kam raus, brachte meinen Umschlag (der enthielt ein Paar Wiener, 2 Stück Toast mit Butter und eine Flasche Limo), erhielt seine 2 Mark der Zugführer pfiff und ich fuhr los.
Alles wie immer aber nicht ganz.
Wie gesagt, waren wir mit dem späteren Zug unterwegs, und das war der Eilzug der sollte gar nicht in Hammelwarden halten! Im Zug war nun auch, aus irgendwelchen Gründen sind solche Leute ja immer zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort oder umgedreht, ein höherer Beamter der BD Hannover, der das ganze Geschehen beobachtete und dann offensichtlich nach seiner Rückkehr in Hannover ein Faß aufmachte.
Eine Woche später war unsere schöne Kantine in Hammelwarden leider geschlossen. Wir waren alle sehr traurig.

Kalle hatte hiernach natürlich die Lacher auf seiner Seite aber einen wollte er noch zum Besten geben ist auch nur kurz:

Ihr wisst ja, daß ich immer ein wenig Probleme mit dem Bremsen habe. Ich bin froh, wenn der Vegesacker immer schön am Bahnsteigende zum Stehen kommt und vom Steuerwagen aus habe gar nicht so das richtige Gefühl. Nun Ihr wisst ja, daß der Dienststellenvorsteher vom Bw Bremen Hbf, Kollege K. (Anm. es kann auch sein, daß der beim Maschinenamt war) in St. Magnus wohnt. Die Vegesacker Strecke war also seine heimliche Liebe gerne fuhr er bei seinen Fahrten zum und vom Büro auf der Lok oder im Steuerwagen mit.
(hier nun wieder eine Anmerkung: auf der Vegesacker Strecke fuhren nach der Elektrifizierung die E-Lok Baureihe 141 mit Wendezügen, die verschieden stark waren. Insbesondere im Haltepunkt Bremen-Lesum sowie in Bremen-Burg musste ziemlich paßgenau gehalten werden, damit alle Türen auch am Bahnsteig und nicht außerhalb diesen aufgingen. Zur besseren Orientierung hatte der Vorgesetzte K., der sich durch eine rötliche Haarfärbung und kleinen Wuchs auszeichnete, am Haltepunkt Lesum und in Bremen-Burg sowie in Oslebshausen und Walle farbige Markierungen am Bahnsteig setzen lassen, die ein paßgenaues Anhalten ermöglichen sollten. Auf diese Erfindung war er sehr stolz.).


harfe 

Aus Alter Zeit - Lokführerstammtisch IV - 3. und letzter Teil

Nun, wieder einmal fuhr der Rotschopf bei mir morgens mit zum Dienst. Er kam in den Führerstand des Steuerwagens wir mochten uns noch nie. Nun, er grüßte und meinte lassen Sie sich durch mich nicht stören was ich auch nicht wollte. Durch seine Berechtigungskarte kann er auf jeden Führerstand einer Lokomotive mitfahren, er war mir auch weisungsbefugt aber durfte nicht direkt in meine Tätigkeit einwirken. Das durften nur Lehrlokführer und meine Gruppenleiter im Bw. Naja, auch hier nahm das Unheil wieder seinen Lauf. Ich hatte wieder einen besonders schlecht bremsenden Zugstamm und fuhr in Lesum über die Markierung hinaus, der Zugführer, der vom Packabteil des Steuerwagens aus den Zug abfertigte, durfte nicht aussteigen, weil er sonst im Schotter stand.
K. meckerte und moserte ich schwieg.
In Bremen-Burg passierte das gleiche noch mal, die Schienen waren aber auch wieder verdammt rutschig, außerdem war ich jetzt nervös.
Wieder meckern und direkte Ansprache Sie sollten das mal üben, was sollen denn die Fahrgäste denken. Ich schwieg weiter, aber innerlich kochte ich.
In Oslebshausen kam ich so halbwegs paßgenau zum Halten, aber immer noch nicht so, wie der Vorgesetzte es denn gerne hätte. Er meckerte wieder jetzt reichte es mir.
Ich schnappte meine Tasche und meine Jacke, verließ den Führerstand und stieg aus dem Zug aus und machte mich zu Fuß auf in Richtung Bw Bremen Rbf. Der Rotschopf war wie vom Donner gerührt, öffnete das Fenster und rief mir nach, daß ich zurück kommen solle. Ich drehte mich um und rief zurück, daß er jetzt weiterfahren solle, er könne ja sowieso alles besser. Das tat er dann auch
Nach einer halben Stunde angestrengten Fußmarsch war ich im Bw Bremen Rbf angelangt und telefonierte erst einmal mit meinem Lokleiter und schilderte ihm den Fall.
Anderntags war dann noch ein Dienstgespräch bei meinem direkten Vorgesetzten anberaumt, aber ich erhielt keinen Verweis sondern nur eine Verwarnung. Zwar hatte ich meinen Dienstposten verlassen, aber der Vorgesetzte K. hatte auch seine Kompetenzen überschritten.

Die anderen beiden kannten die Geschichte natürlich schon und führten aus, wie der Beamte im gehobenen (oder sogar höheren) Dienst wutschnaubend den Zug nach Walle und Bremen Hbf weiterfuhr. Da dort direkt kein Ersatz vorhanden war, wurde Heinrich B. mit dem Taxi nach Walle gebracht, um den armen Vorgesetzten dort von der Lok zu holen (denn der Zug musste ja weiter fahren) und Heini fuhr die Leistung von Kalle zu Ende. Der Vorgesetzte K. soll letztendlich aber doch klein beigegeben haben und hat durch Kalles einsame Entscheidung doch ein wenig von seiner Autoriät eingebüßt.

So, Leute das wars hier enden die kleinen Geschichten, die das Leben schrieb.
Ich hoffe, es hat Euch gefallen.



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... das machen wir pur!

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