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'Zugdackel' Erna ist immer mit dabei - Syker-Kurier vom 13.11.2010
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18.11.10 18:56
Bernd_Furch 

'Zugdackel' Erna ist immer mit dabei - Syker-Kurier vom 13.11.2010

Marc Düprees Hund weicht den jungen Muselbahnern von der Jugendgruppe 'Signal 2007' nicht von der Seite -

Von Karin Neukirchen-Stratmann
Bruchhausen-Vilsen.

Nein, Erna sei kein Zuchtdackel, erklärt Herrchen Marc Düpree. 'Erna ist ein Zugdackel.' Zugdackel? In der Tat. Seit einigen Monaten ist die Museums-Eisenbahn um eine Attraktion reicher: Erna. Eine Mischung aus Rauh- und Langhaardackel, Alter etwa 3,5 Jahre. Warum etwa? 'Weil wir Erna von einem Jäger nahe Stendal geschenkt bekommen haben. Der konnte mit ihr nichts anfangen, sie war jagduntauglich', erklärt Marc Düpree.

Seit rund einem Jahr lebt Erna bei ihm und seiner Frau in Bruchhausen-Vilsen. Seitdem Marc Düpree die Jugendgruppe des Deutschen Eisenbahnvereins (DEV) wieder reaktiviert hat, ist Erna ständiger Gast bei den Muselbahnern. Und seitdem bücken sich auffällig viele Eisenbahner immer mal wieder Richtung Boden. Denn Erna weiß, was sie will: Streicheleinheiten! Das kann auch Bernd Füting, DEV-Mitglied, bestätigen: 'Und auf sein Frühstücksbrötchen sollte man besser auch aufpassen', meint der Muselbahner mit einem Schmunzeln. 'Man glaubt gar nicht, wo so ein kleiner Hund alles rankommt.' Dass Erna die ganze Werkstatthalle erkundet, ist für die Mitarbeiter der Museums-Eisenbahn längst Alltag geworden.

Marc Düpree kennt seinen Hund inzwischen so gut, dass er weiß, wo vielleicht Gefahren lauern könnten. 'Wenn ich rufe 'Steh? oder ?Halt?, dann bleibt Erna stehen.' Und in besonderen Gefahrensituationen, wenn zum Beispiel viel rangiert wird, muss Erna 'bei Fuß gehen'. Kein Problem, solange es zwischendurch Streicheleinheiten gibt.

Viel bückt sich auch Nanning Brüshaber, seitdem Erna die Werkstatt der Bahn erobert hat. 'Zwischendurch ist immer mal wieder Knuddeln angesagt.' Und kommt Erna zu kurz, setzt sie sich, ganz ladylike, vor ihr 'Opfer' und jammert ganz herzerweichend, bis die Streicheleinheit kommt. Angst vor Maschinenöl, Schmierfett, dem Qualm der Loks, hat Erna nicht. Im Gegenteil. 'Erna steht auf Züge', ist Marc Düpree überzeugt. 'Selbst das Pfeifen an den Bahnübergängen macht ihr gar nichts aus. Was sie nicht mag, ist das Zischen aus den Druckkesseln.' Erna darf nämlich nicht nur in der Werkstatt herumlaufen, sie fährt auch auf den Zügen mit. Und so lernt sie das Vilser Holz, wo sie sonst mit Herrchen, Frauchen und dem Neumitglied der Familie, Jack-Russel-Rüde Eddi spazieren geht, mal aus einer anderen Perspektive kennen. Der Terrier aber hat bislang noch keinen Zugang zur Museums-Eisenbahn. 'Der ist noch zu jung, und mal abwarten, wie er sich entwickelt. Ich kann hier ja nur einen Hund mitnehmen,

bei dem ich nicht ständig Angst haben muss, dass etwas passiert', erklärt Marc Düpree. Im Juni hat der 37-Jährige die Jugendgruppe des DEV reaktiviert. Für den DEV ein Glücksfall, denn die Jugendgruppe war, nur knapp drei Jahre nach ihrer Gründung, wieder eingeschlafen.

Die Idee einer Jugendgruppe war 2007 geboren. Damals war Hans-Peter Kempf, Geschäftsführer der Mittelweserbahn (MWB), einer der Mitgründer. Zu diesem Zeitpunkt holten sich DEV und MWB kompetente Hilfe von außerhalb ins Boot, Schulsozialarbeiterin Anja Westers und Jugendpfleger Michael Wegner. Beide erarbeiteten ein pädagogisches Konzept für die Jugendgruppe. Doch diese schlief irgendwann ein. Bis Marc Düpree kam. 'Eigentlich habe ich zur Bahn überhaupt keinen Bezug', erzählt er. Großtechnik allerdings interessiere ihn schon. Bei der Bundeswehr hatte er mit Panzern zu tun. Und er hat Lehramt studiert, zwar ohne Abschluss, 'aber die Arbeit mit Kindern macht mir Spaß'. Und so kam er zur Museums-Eisenbahn, war die Idee geboren, die Jugendgruppe wieder zu reaktivieren. Unter dem Titel 'Signal 2007' trifft sich Marc Düpree nun mit interessierten Jugendlichen jeden zweiten Sonnabend im Monat.

Derzeit sind zwar nur Jonas und Kalle dabei, beide elf Jahre alt, aber Marc Düpree hofft, bald mehr Jugendliche begeistern zu können. 'Jungen und Mädchen von zwölf bis 16 Jahre wären ideal.' Sein Traum: eine Jugendgruppe, die einmal selbstständig einen Zug führen kann. Kalle und Jonas sind jedenfalls jetzt schon begeistert bei der Sache. Jonas, weil sein Papa auch aktiv bei der Museums-Eisenbahn ist, Kalle, weil sein Opa beruflich mit der Bahn zu tun hatte. Kein Wunder, dass beide auch eine Modelleisenbahn zu Hause haben. Aber das ist natürlich nichts gegen die Arbeit in der Werkstatt, dem Schrauben an den Lokomotiven, dem Mithelfen beim Fahrkartenverkauf und der Zugbegleitung, dem Helfen in der Gleisbaurotte. Das alles sind Aufgaben, die die Jugendgruppe erlernt. Und natürlich ist Erna immer mit dabei. Für sie bleibt nach einem Sonnabend in der Werkstatt nur noch eines: der Weg in die Dusche. 'Da kommt ein ganz schöner schwarzer Bach aus dem Fell', meint Marc Düpree lachend. Erna, nicht wasserscheu, nimmt es mit stoischer Gelassenheit.

Wer noch Interesse hat, bei der Jugendgruppe aktiv zu werden, kann sich unter 04252/9019576 oder per E-Mail anmarcduepree@gmx.de melden.

© Syker-Kurier

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