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Forum für Klein- und Privatbahnen

Zivilier Ungehorsam hatte Erfolg
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Bernd_Furch 

Zivilier Ungehorsam hatte Erfolg


Ausstellung zur Geschichte der Eisenbahn im ehemaligen Gaswerk noch heute und morgen zu sehen

BR.-VILSEN (ah) Wie verhält sich ein Ingenieur, der wegen der vielen Vorschriften eigentlich nie bei der Bahn arbeiten wollte, plötzlich aber doch dort landet? Er ignoriert die Vorschriften. Über den zivilen Ungehorsam des heute 91-jährigen Wilhelm Leder mussten gestern viele Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung "Erfolgsgeschichte Eisenbahn" im ehemaligen Gaswerk in Bruchhausen-Vilsen schmunzeln. Ohne diesen Ungehorsam hätte es keine Ausstellung gegeben. Es gäbe heute gar keinen Bahnbetrieb mehr in dieser Region.

Leder war in den 60er-Jahren Direktor der 1900 gegründeten Kleinbahn Hoya-Syke-Asendorf und vom Landeseisenbahnamt Hannover damit beauftragt, den Betrieb für einige Jahre aufrechtzuhalten und die Bahn danach einzu stampfen. Doch darum scherte Leder sich wenig. Nach außen gab er sich einsichtig, innerlich verfolgte er andere Pläne: Er akquirierte Frachtaufträge, und plötzlich brummte das Geschäft auf der Strecke. "Die Bahn war mit 50 Prozent ihres Anlagekapitals verschuldet. Wir haben die Schulden in drei Jahren abgebaut", erklärte Leder, der auch über einen zweiten "Husarenstreich" berichtete: den Umbau der Strecke Hoya-Bruchhausen-Vilsen von der Schmal- zur Normalspur in nur zwölf Stunden. 900 Soldaten des Bataillons von Oberstleutnant Oberwöhrmann aus Barme hatten dies am 25. Mai 1965 zustande gebracht. Die Umspurung zwischen dem Flecken und Syke hingegen hat danach ein Jahr gedauert. Als mittlerweile Chef der Verkehrsbetriebe Grafschaft Hoya (VGH), die 1963 aus der Fusion der Hoyaer Eisenbahn mit der Kleinbahn Hoya-Syke-Asendorf hervorgegangen war, hatte Leder dafür Leiharbeiter beschäftigt. Die Idee zur Umspurung war laut Leder in einer Bierlaune entstanden, ähnlich also wie fast vier Jahrzehnte später die Gründung der Mittelweserbahn durch Hans-Peter Kempf und seine Mitstreiter.

Ohne Leder gäbe es vielleicht auch keine Museumseisenbahn. "Nehmt doch am Sonnabend und Sonntag die Strecke nach Asendorf. Da fahren wir nur wochentags Güter", hatte er seinerzeit dem Mitgründer des Deutschen Eisenbahnvereins, Harald Kindermann, vorgeschlagen. Letzterer hatte sich gestern für den Feiertags-Dienst bei der Museumsbahn von seinem Nachbarn vertreten lassen, um zur Eröffnung der Ausstellung etwas über die Verbindung von Gaswerk und Eisenbahn zu erzählen.

Erst mit dem Bahnanschluss im Jahr 1900 sei es möglich gewesen, Kohle zur Gasgewinnung aus der Hannoveraner Gegend günstig nach Bruchhausen-Vilsen zu schaffen, erklärte Kindermann. Daraufhin bauten Broksen und Vilsen 1905 das Gaswerk am Bahnhof. Die erste gemeinsame Aktion der Gemeinden habe gleich die Gasversorgung sichergestellt.

Den Erhalt dieses laut Kindermann "sehr geschichts trächtigen" Gebäudes hat sich der Verschönerungsverein (VVV) auf seine Fahnen geschrieben. Dazu soll auch die gemeinsame Präsentation des DEV und des VVV-Ausschusses "Altes Gaswerk" beitragen. Eigens dafür hatte DEV-Mitglied Hans Jürgen Wieting viele Stellwände entworfen, die in Wort und Bild über 100 Jahre Eisenbahngeschichte dokumentieren - von der Eröffnung der Hoyaer Eisenbahn (1881) und der Gründung der Kleinbahn (1900) über ihre Fusion zur VGH (1963) bis hin zur Streckensanierung Syke-Heiligenfelde (2006). Bürgermeister Peter Schmitz entdeckte auf einem der Fotos sogar seinen damaligen Kindergarten wieder.

Mit Exponaten wie der ersten Schiene der Hoyaer Eisenbahn, dem Modell eines Güterzugs, einer entsprechenden Geräuschkulisse und Filmvorführungen haben die Organisatoren die Geschichte im Gaswerk erlebbar gemacht. Die Präsentation ist noch heute und morgen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. 03.10.2008


Quelle: Kreiszeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Im Internet unter www.kreiszeitung.de

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